
Kollegen sind sauer
Beamter ist krankgeschrieben – singt aber auf der Bühne
21.11.2025 – 18:16 UhrLesedauer: 2 Min.
Seit mehr als einem halben Jahr ist ein Lehrer in Köln krankgeschrieben. Das hält ihn aber offenbar nicht davon ab, durchs Land zu reisen und Auftritte zu absolvieren.
In Nordrhein-Westfalen führt der Fall eines seit Monaten krankgeschriebenen Lehrers zu Ärger: Der Mann kassiert weiter Beamtenbezüge – tritt trotz seiner Erkrankung aber als Indie-Songwriter auf. Darüber berichtet der „Spiegel“. Die Bezirksregierung leitete ein Verfahren ein.
Laut dem Bericht ist der Lehrer an einer Kölner Gesamtschule beschäftigt und unterrichtet dort Englisch und Musik. Seit April ist er dem Unterricht laut dem Bericht wegen einer Erkrankung ferngeblieben. Weshalb er krankgeschrieben ist, bleibt unklar. Während seiner Krankheit trat der Mann allerdings auf verschiedenen Bühnen in Köln, Bonn und Krefeld auf. Er drehte ein Musikvideo, sprach in einem Podcast über seine Musikkarriere und hielt seine Fans auf Instagram auf dem Laufen: „Einfach die ruhige Schiene fahren“, schrieb er laut dem Bericht unter einen seiner Posts.
Grundsätzlich gibt es kein Verbot, während einer Krankschreibung bestimmten Tätigkeiten oder Hobbys nachzugehen. Der Anwalt des Lehrers sagte dem „Spiegel“: „Dass meinem Mandanten das Musizieren auch dann, wenn er arbeitsunfähig ist, gelingt und dass es sein Leben bereichert, dürfte nachvollziehbar sein.“ Er betonte jedoch, dass der Lehrer kein professioneller Musiker sei und auch keine professionellen Liveauftritte absolviere.
Geld habe er für seine Auftritte nicht bekommen, so der Anwalt weiter. Lediglich die Fahrtkosten seien ihm erstattet worden. Das Musizieren sei ein Hobby – keine Nebentätigkeit.
In der Kölner Schule hat das Verhalten des Lehrers allerdings Unmut ausgelöst. Eine Lehrkraft sagte dem „Spiegel“: „Es ist nicht fair, wenn Einzelne das System ausnutzen.“ Der zuständigen Bezirksregierung Köln ist der Fall nach eigener Auskunft schon länger bekannt. Im Juli habe sich die Schulleitung mit einem Hinweis gemeldet, so die Bezirksregierung. Daraufhin leitete die Behörde dienstrechtliche „Prüf- und Ermittlungsmaßnahmen“ ein. Die Lehrkraft habe man dabei mit „den geäußerten Zweifeln an der fortbestehenden Dienstunfähigkeit konfrontiert“, hieß es.
Über „dienstrechtliche Maßnahmen“ sei bereits entschieden worden, erklärte die Behörde, ohne Details zu nennen.
In Nordrhein-Westfalen haben in den vergangenen Monaten mehrere Fälle von krankgeschriebenen Lehrern Politik und Öffentlichkeit beschäftigt. Ein anderer krankgeschriebener Lehrer soll in zwei Kochshows aufgetreten sein. Zuvor war der Fall einer Lehrerin aus dem Ruhrgebiet publik geworden, die seit 16 Jahren krankgeschrieben ist – und nie zum Amtsarzt musste.












