Einsparungen immer drastischer

Damit senden ARD und ZDF eine versteckte Botschaft


Aktualisiert am 09.06.2026 – 11:54 UhrLesedauer: 4 Min.

Beim MDR regiert längst der Rotstift: Cornelia Gröschel und Martin Brambach müssen möglicherweise um ihre Jobs bangen. (Quelle: MDR/MadeFor/Steffen Junghans)

In den vergangenen Wochen häuften sich die Meldungen über das Aus beliebter Programme im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Dahinter steckt eine Strategie.

Es geht Schlag auf Schlag: Der WDR kündigte an, seine Audioangebote neu zu ordnen und dabei den Radiosender Cosmo einzustellen. ARD und ZDF werden Ende 2026 die Digitalkanäle Tagesschau24, One und ARD alpha abschalten. Der SWR plant, die seit mehr als 30 Jahren laufende Unterhaltungssendung „Immer wieder sonntags“ mit Stefan Mross nach der aktuellen Saison nicht fortzuführen.

Vor wenigen Wochen teilte zudem der MDR mit, das erst kürzlich übernommene „Mittagsmagazin“ im Ersten wieder abgeben zu müssen. Kurz darauf die nächste Nachricht. Der Mitteldeutsche Rundfunk will zusätzlich für drei Jahre keine neuen Folgen seiner beiden erfolgreichen Krimiformate „Tatort“ (aus Dresden) und „Polizeiruf 110“ (aus Magdeburg) produzieren lassen.

Dauerstreit über die Erhöhung des Rundfunkbeitrags

Die Proteste fielen bei all diesen Entscheidungen entsprechend groß aus. Doch genau dieser Effekt ist keineswegs unbeabsichtigt. Über Jahre hinweg wurde im öffentlich-rechtlichen Rundfunk gespart, ohne dass das Publikum die Folgen unmittelbar bemerkte. Redaktionen wurden verkleinert und zusammengelegt, freie Mitarbeitende gerieten stärker unter Druck, kleinere Produktionen verschwanden. Vieles davon blieb für Zuschauerinnen und Zuschauer weitgehend unsichtbar.

Medienexperte Christian Richter (Quelle: christianrichter)

Zur Person

Dr. Christian Richter ist Fernseh- und Medienwissenschaftler. Er beschäftigt sich mit der Theorie und Programmgeschichte des Fernsehens sowie mit Medienbildung und digitaler Bildung. Bei t-online analysiert er seit Februar 2026 regelmäßig das Mediengeschehen.

Nun scheint sich die Strategie geändert zu haben. Denn inzwischen trifft es Programme, die bekannt sind, ein großes Publikum erreichen und deren Wegfall wahrgenommen wird. Beobachtern drängt sich der Eindruck auf: Das ist beabsichtigt. Die Botschaft: Politische Entscheidungen zur Finanzierung des öffentlichen Rundfunks haben spürbare Konsequenzen.

Eigentlich hatte die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) eine Erhöhung des Rundfunkbeitrags um 58 Cent pro Monat empfohlen. Doch neben Bayern hat unter anderem die Regierung von Sachsen-Anhalt die Erhöhung blockiert. Zu Unrecht, wie ARD und ZDF meinen. Schließlich existiert für die Festlegung des Rundfunkbeitrags ein abgestimmtes Verfahren, bei dem für die Länder eigentlich kein Vetorecht vorgesehen ist. Durch die Blockade der geplanten Erhöhung entstanden in den Anstalten millionenschwere Finanzierungslücken, die zusätzliche Sparmaßnahmen nach sich zogen.

„Polizeiruf 110“: Hauptkommissarin Doreen Brasch (Claudia Michelsen) ermittelt in Magdeburg. (Quelle: MDR/Britta Krehl)

Zwar korrigierte die KEF ihre Empfehlung im Dezember auf eine Erhöhung um lediglich 28 Cent, doch auch diese würde weiterhin große Löcher in die Haushalte reißen. Und selbst diese Erhöhung muss zunächst noch von den Ländern beschlossen werden.

Share.
Leave A Reply

Exit mobile version