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Politik

Religionsmonitor: Krieg im Nahen Osten spaltet Deutschland

wochentlich.deBy wochentlich.de12 Dezember 2023Keine Kommentare3 Mins Read
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Religionsmonitor: Krieg im Nahen Osten spaltet Deutschland
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Der Konflikt in Nahost zeigt einer Studie zufolge auch unerfreuliche Auswirkungen in unserer Gesellschaft. Antisemitische und antimuslimische Angriffe nehmen zu.

Mit dem Krieg im Nahen Osten ist es Experten zufolge zu einem erschreckenden Anstieg antisemitischer Vorfälle und zugleich auch verstärkt zu antimuslimischen Anfeindungen in Deutschland gekommen. Der Terrorangriff der Hamas auf Israel und die israelische Gegenoffensive seit dem 7. Oktober zeigten deutliche Auswirkungen auch hierzulande und offenbarten Risse in der Gesellschaft, hieß es bei Vorstellung einiger Ergebnisse des „Religionsmonitors 2023“ der Bertelsmann Stiftung.

Die Studie, für die 2022 mehr als 4300 Personen ab 16 Jahren bundesweit befragt worden waren, hätte weit verbreitete Vorurteile und Stereotype offengelegt, die nun vom eskalierenden Nahost-Konflikt befeuert würden.

Antisemitische Einstellungen seien nicht nur an den Rändern, sondern auch in der Mitte der Gesellschaft und auch unter Muslimen verbreitet, sagte die Religionsexpertin der Bertelsmann Stiftung, Yasemin El-Menouar. Und: „Antisemitismus äußert sich derzeit vor allem in Bezug auf Israel.“ Besonders besorgniserregend sei eine „Enthemmung von Vorbehalten und Vorurteilen“.

Der antisemitischen Aussage „Juden haben zu viel Einfluss in Deutschland“ stimmten in der Studie 21 Prozent der Befragten zu. Dabei falle der Wert mit 40 Prozent bei AfD-Anhängern besonders hoch aus, liege aber auch bei Befragten, die der Union, SPD, FDP oder der Linken zuneigten, grob um die 20 Prozent.

Juden fühlen sich in Deutschland nicht mehr sicher

Ein immer offener zutagetretender Antisemitismus zeige sich im Internet, aber auch auf deutschen Straßen, wenn dort die Taten der Hamas auf Demonstrationen – wie in Berlin oder Essen – gefeiert würden. Es gebe tätliche Angriffe auf Jüdinnen und Juden sowie auf jüdische Einrichtungen, viele fühlten sich in Deutschland nicht mehr sicher, beklagte Stephan Vopel von der Stiftung. Auf der anderen Seite bemängelten nicht wenige in der Bevölkerung, dass „die Räume enger“ geworden seien, wenn sie sich friedlich für notleidende Palästinenser im Gazastreifen einsetzten wollten.

El-Menouar warnte, dass zwar bei antisemitischen Haltungen häufig nicht von bewussten Feindseligkeiten, sondern von unreflektierten Vorurteilen auszugehen sei. Diese Einstellungen würden aber von Extremisten und Populisten genutzt, um die Gesellschaft zu spalten. Auch in den muslimischen Communities gebe es antisemitische Haltungen, die klar benannt werden müssten. Eine Rolle spiele, woher die Muslime stammten – ob sie etwa aus Ländern des Nahen Ostens oder aus der Türkei stammten, wo teilweise „mit Antisemitismus Politik gemacht werde“, sagte die Soziologin. Und: „Je länger die Menschen in Deutschland leben, desto weniger antisemitische Vorbehalte haben sie.“

Vorbehalte gegenüber dem Islam

Zugleich ergab der „Religionsmonitor“, dass 52 Prozent der Befragten den Islam als bedrohlich ansehen. Der Islam werde von vielen mit politischem Islamismus verknüpft; so mancher glaube, der Islam rufe zur Gewalt auf, schilderte El-Menouar. Dieses Negativbild habe sich seit rund zehn Jahren verfestigt. Bei den Jüngeren habe die Studie aber deutlich weniger Vorbehalte festgestellt als bei den Älteren – wohl auch, weil für die Jüngeren Kontakte zu Muslimen häufiger Alltag seien, was Vorurteile abbaue.

Musliminnen und Muslime sind verstärkt Diskriminierung, Anfeindungen und Ausgrenzung ausgesetzt, kritisierte die Stiftung. Es handele sich „nahezu um einen Generalverdacht“ gegen Muslime, erläuterte Vopel. Gegenüber Flüchtlingen und Migranten allgemein werde das Klima – angeheizt von rechten Kräften – ebenfalls rauer. Alle das schwäche den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Um Hass, Antisemitismus, Muslimfeindlichkeit und jeglichen menschenfeindlichen Haltungen entgegenzuwirken, brauche es mehr Versachlichung, Aufklärung, mehr Begegnungen unter den Gruppen der vielfältigen Einwanderungsgesellschaft. Zudem sollten die vielen erfolgreichen jüdisch-muslimischen Gemeinschaftsprojekte und Initiativen stärker in den Fokus rücken.

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