Kritik an „Leerplan“
Klage wegen Stundenausfall: Ex-Abiturient verliert Prozess
Aktualisiert am 30.10.2026 – 15:30 UhrLesedauer: 3 Min.
Elija Walk will eine Antwort auf eine unbequeme Frage: Wie viel Unterricht muss der Staat liefern? Die Justiz verweist nun auf die Politik. Wie blickt der ehemalige Abiturient auf das Urteil?
Die Enttäuschung ist Elija Walk im Gerichtsflur anzusehen. „Ich finde es relativ frustrierend, weil immer die gleichen Aussagen kommen“, sagt der 20-Jährige in einer Prozesspause. In einem ungewöhnlichen Schritt hat der Ex-Abiturient das Land Rheinland-Pfalz verklagt, weil während seiner Oberstufenzeit in Landau immer wieder der Unterricht ausfiel. Doch das Verwaltungsgericht in Neustadt an der Weinstraße weist seine Klage ab.
„Die brennende Frage, ob der gewährte Schulunterricht ausreichend war, um einen Schüler fürs Abitur vorzubereiten, kann das Gericht aus rechtlichen Gründen nicht beantworten“, teilt der Vorsitzende Richter mit. „Diese Frage muss im politischen Diskurs entschieden werden. Und den hat er angestoßen. Insofern war die Klage wertvoll und nicht nutzlos, weil er Öffentlichkeit erzielt hat.“
„Du merkst, es fehlt etwas“
Walk sieht das anders. „Da war kein Satz: Wir wissen, dass es nicht gut ist, aber versuchen, es besser zu machen“, sagt er. Im Frühjahr 2025 hatte er sein Abitur mit der Note 2,1 bestanden. Mittlerweile studiert er Sozial- und Kommunikationswissenschaften in Landau. Nach eigenen Angaben ging es ihm mit seiner Klage über seine eigenen Leistungen hinaus um die Bildungschancen jüngerer Schülerinnen und Schüler.
So sehen es auch Luca und Janne. Die beiden ehemaligen Mitschüler von Elija sind an diesem Tag zur Unterstützung ihres Freundes ins Gericht gekommen. „Wenn Unterricht ausfällt, denkst du als Erstes: Super“, schildert Janne. „Aber dann merkst du, es fehlt etwas, wenn im Abitur Dinge gefragt werden, die zuvor nur halbgar drangekommen waren.“
Fall schlägt bundesweit Wellen
Ähnlich sieht es Luca. „Es kann nicht sein, dass viel Unterricht ausfällt und die Chancengleichheit beeinträchtigt ist“, kritisiert er. „Das ist das größere Ziel auch über dem Prozess hier: dass es sich verbessert.“ Dass der Fall längst bundesweit Wellen schlägt, zeigen Reaktionen auch im Internet von Hamburg bis München.
Walk beantragte wegen des Unterrichtsausfalls eine Neubewertung seiner Leistungen in Deutsch, Biologie und Sport. Seine Mutter hat die Ausfälle nach eigenen Angaben über drei Jahre hinweg dokumentiert. Allein in einem Leistungskurs sei am Eduard-Spranger-Gymnasium in Landau im zweiten Halbjahr der 12. Klasse fast jede zweite Unterrichtsstunde ausgefallen, erzählt sie. Die Familie kam demnach auf 405 Stunden.

Homeschooling aus Not
Walk versuchte, die Lücken selbst zu schließen. „Da muss man zu Hause die Bücher im Voraus durchgehen, googeln, YouTube-Videos schauen.“ Das sei etwas anderes als Unterricht. Es fehlten die Rückfragen, die Lernumgebung. „Es war eben alles nicht so gut wie der echte Unterricht.“ Hier sieht er die größere Frage: Was passiert, wenn Eltern die Lücken nicht auffangen können?