Ende der Sommerzeit
Was die Extrastunde für die Einnahme von Tabletten bedeutet
20.10.2026 – 14:05 UhrLesedauer: 2 Min.
Manche Medikamente sind stets zur gleichen Zeit einzunehmen. Aber was ist der richtige Zeitpunkt nach der Zeitumstellung? Eine Apothekerin gibt Antworten.
Wie gut ein Arzneimittel wirkt und vertragen wird, kann auch vom Zeitpunkt seiner Anwendung abhängen. Wer Tabletten regelmäßig zu festen Uhr- oder Tageszeiten einnimmt, hat diese Zeiten oft schon verinnerlicht.
Die gewohnten Zeiten kann man in der Regel auch beibehalten, nachdem die Uhren in der Nacht auf Sonntag, den 25. Oktober, von der Sommerzeit auf die Normalzeit („Winterzeit“) umgestellt werden – auch wenn dann seit der letzten Einnahme ausnahmsweise 25 Stunden vergangen sind. Apothekerin Friederike Habighorst-Klemm, Patientenbeauftragte des Landesapothekerverbandes Baden-Württemberg, betont: „So eine Zeitverschiebung von einer Stunde ist bei Medikamenten kein Thema.“
Grundsätzlich ist es aber wichtig, sich an feste Einnahmezeiten zu halten, wenn die jeweiligen Medikamente das erfordern. Das betrifft vor allem Arzneimittel mit einer geringen therapeutischen Breite, also Mittel mit Wirkstoffen, „die in kleiner Menge große Effekte haben“, wie die Apothekerin übersetzt. Beispiele dafür sind Medikamente gegen Parkinson oder Epilepsie, aber auch Kortison.
Sonderfall Antibiotika
Bei manchen Arzneimitteln ist es allerdings besonders wichtig, den Einnahmezeitpunkt genau einzuhalten, um eine gleichmäßige Wirkstoffmenge im Körper zu erreichen – etwa bei bestimmten Antibiotika. Je nach Präparat nimmt man diese bei bakteriellen Infektionen ein-, zwei- oder sogar dreimal am Tag ein. Für einen stabilen Wirkstoffspiegel im Körper sind die Abstände zwischen den Einnahmen entscheidend:
- 24 Stunden Abstand bei einer Tablette am Tag
- 12 Stunden Abstand bei zwei Tabletten am Tag
- 8 Stunden Abstand bei drei Tabletten am Tag
Mit Blick auf die Zeitumstellung bilden Antibiotika daher eine Ausnahme: An dem Sonntag, an dem die Uhren um eine Stunde zurückgestellt werden, orientiert man sich bei ihrer nächsten Einnahme nicht an der Uhrzeit, sondern am Abstand zur letzten Einnahme, so die Apothekerin.
In diesem Fall kann die Extrastunde, die die Umstellung auf die Normalzeit mit sich bringt, tatsächlich von Nachteil sein. Denn laut Habighorst-Klemm gilt die Faustregel: „Bei Antibiotika im Zweifel die Zeiträume zwischen den Einnahmen nicht verlängern, sondern lieber ein klein bisschen verkürzen.“ Die Apothekerin erklärt das so: „Bakterien vermehren sich ruckzuck – und brauchen daher regelmäßig einen auf die Mütze.“
Bei größeren Zeitverschiebungen beraten lassen
Für die Urlaubsplanung hat Habighorst-Klemm einen weiteren Tipp: Wer verreist und an einem Urlaubsziel mit einer Zeitverschiebung von mehr als zwei Stunden ankommt, sollte sich vorab damit beschäftigen, was das für die Medikamenteneinnahme bedeutet. In vielen Fällen ist eine schrittweise Anpassung sinnvoll. Wer sichergehen will, lässt sich individuell in der Apotheke beraten.