Zu viele Touristen
Beliebter Bergsee könnte bald Eintritt kosten
Aktualisiert am 20.10.2026 – 17:32 UhrLesedauer: 2 Min.
Am Oeschinensee drängen sich an Spitzentagen Tausende durch eine kleine Gemeinde im Berner Oberland. Das könnte nun Folgen haben.
Wenn man an die Alpen denkt, denkt man an schroffe Felsen, blühende Almwiesen und türkisfarbene, kristallklare Bergseen. Ein solcher See steht nun im Zentrum einer Debatte um ein Thema, das viele Touristenregionen betrifft: die immerzu wachsenden Besuchermassen.
Wie diverse Schweizer Medien berichten, könnte der Zugang zum Oeschinensee bei Kandersteg im Berner Oberland bald beschränkt werden. Der Oeschinensee gilt es beliebtes Ausflugsziel, ist einer der meistfotografierten Orte der Schweiz und gehört sogar zum Unesco-Weltnaturerbe Schweizer Alpen Jungfrau-Aletsch.
An Spitzentagen sind nach Angaben des Kandersteger Gemeinderatspräsidenten René Maeder mehr als 7.000 Menschen am Bergsee unterwegs. Genau darin liegt das Problem. Die Gemeinde mit ihren rund 1.300 Einwohnern stößt im Sommer an ihre Grenzen: belegte Parkplätze, verstopfte Straßen, Wanderwege und Toilettenanlagen, die unterhalten werden müssen. „Wir haben zu viele Tagestouristen. Jetzt geht es darum, wie wir das besser in den Griff bekommen“, erklärte Maeder dem Regionalportal „Plattform J“.
Auch andere Maßnahmen stehen im Raum
Zwei Varianten stehen im Raum. „Wer zum Oeschinensee wandert, muss Eintritt bezahlen“, sagt Maeder. Wie der Betrag eingezogen würde, ist aber offen: Denkbar sei ein Drehkreuz am Weg – oder die Bezahlung per Smartphone, etwa über einen QR-Code oder eine App. Die Höhe des Eintritts ist bislang offen. Zunächst müsse die Gemeinde aber klären, wer eine solche Anlage überhaupt genehmigen könnte, wie Maeder erklärt.

Das Problem: Der Weg zum See gehört nicht zur Gemeinde. Ob eine Gebühr auf einem öffentlichen Wanderweg zulässig ist und wie ihre Entrichtung kontrolliert werden könnte, müsste also ebenfalls geklärt werden.
Wer mit der Gondelbahn hinauffährt, zahlt längst. Zudem müssen Bahngäste im Sommer ein Zeitfenster reservieren, 2026 gilt diese Regel bis zum 8. November. So lässt sich zumindest ein Teil der Besucherströme regulieren. Beim Aufstieg zu Fuß greift dieses Instrument aber nicht. Und das betrifft die Mehrheit: Nach Maeders Einschätzung wandern rund 60 bis 70 Prozent der Gäste selbst hinauf. Ab Sommer 2027 will Kandersteg zusätzlich die Anreise regulieren. Wer mit dem Auto anreist, muss dann einen Parkplatz bei der Gemeinde reservieren.
Wanderer und Einheimische sind nicht überzeugt
Der Gemeinde geht es allerdings nicht nur um die Regulierung von Touristenmassen – sondern auch um die Finanzierung von Wanderwegen, Toilettenanlagen und Rangern. Die Kosten hierfür tragen bislang Übernachtungsgäste, die eine Kurtaxe zahlen müssen. Maeder stellt die Frage in den Raum, ob es richtig ist, dass Übernachtungsgäste den Tagestourismus ebenfalls mitfinanzieren.
Bei Wanderern und Einheimischen stößt die Idee laut Schweizer Medien auf Widerspruch. Viele finden es nicht fair, dass Geld für einen Wanderweg erhoben werden soll, wenn man schon für das Parken und die Gondeln zahlt. Andere können sich vorstellen, einen kleineren Betrag zu zahlen – solange dieser der Natur zugutekommt.