Rummenigge rüffelt Hoeneß
Dass sich der Präsidialausschuss für eine Eberl-Verlängerung ausgesprochen hatte, war bereits vor der Aufsichtsratssitzung an die Öffentlichkeit gelangt. Außerdem hatte sich Hoeneß bereits Anfang August am Rande des Tegernsee-Trainingslagers der Bayern dazu hinreißen lassen, Eberls Chancen auf eine Vertragsverlängerung auf 100 Prozent zu beziffern. Vor zwei Wochen gab Hoeneß bei einer Veranstaltung der Bayern-Basketballer zu: „Da habe ich genug Ärger gehabt intern mit meinen 100 Prozent.“
Rummenigge, der die Geschicke des Klubs gemeinsam mit Hoeneß über Jahrzehnte bestimmt hat, ist ohnehin wohl die einzige Person, die überhaupt in der Position ist, Hoeneß einen solchen Rüffel zu erteilen. Spätestens nach Rummenigges Interview ist nun aber auch endgültig klar, von wem genau der Klub-Patron den Ärger bekam.
Denn Rummenigge ließ auch das zwischen den Zeilen klar erkennen. Vor allem die Art und Weise, wie es publik gemacht wurde, sei nicht in Ordnung gewesen, merkte der 71-Jährige an. „Das habe ich den Beteiligten aber auch mitgeteilt – ich bin ein Freund von offenem Visier.“ Für Rummenigge war es wichtig, seine Entscheidung unabhängig zu treffen. Und sich nicht, wie er es formulierte, „durch eine vorherige Empfehlung präjudizieren“ zu lassen.
Wie t-online aus engsten Klubkreisen erfuhr, dominierte in dem Gremium, dem sich Rummenigge am Tag der Abstimmung nur virtuell aus seinem Sylt-Urlaub zuschaltete, insgesamt eine eindeutige Stimmung pro Eberl. Der Tenor, der zu vernehmen ist, lautet folgendermaßen: Der Rückhalt im Aufsichtsrat für Eberl sei eben so, dass diese Entscheidung genauso getroffen wurde.
Darum verweigerte Rummenigge Eberl seine Stimme
Rummenigge verriet aber auch konkret, warum er Eberls Arbeit offenbar deutlich kritischer als die meisten seiner Kollegen im Aufsichtsrat sieht. Dabei verwies er auf das vergangene Sommertransferfenster und die erklärten Verkaufskandidaten João Palhinha, Sacha Boey, Bryan Zaragoza und Alexander Nübel. „Zusammen hatten wir ein Paket erwartet, das zwischen 60 und 70 Millionen Euro bringen sollte“, führte Rummenigge aus. „Am Ende hat es 20 Millionen gebracht.“
Damit meint Rummenigge wohl die beiden Verkäufe von João Palhinha und Alexander Nübel. Palhinha, vor zwei Jahren für über 50 Millionen Euro verpflichtet, wurde nun für lediglich 14 Millionen Euro an Benfica Lissabon wieder abgegeben. Nübel wurde für 6,25 Millionen Euro an Benfica Lissabon verkauft.