„Es grenzt an ein kleines Wunder“
Rostiger Fund entpuppt sich als Jahrhundertschatz
21.09.2026 – 12:40 UhrLesedauer: 2 Min.
Ein Bagger holt rostige Eisenklumpen aus der Donau. Was zunächst nach Schrott aussieht, entpuppt sich als Schatz aus der Eisenzeit – mit enormem Wert.
Er sah zunächst aus wie Schrott: verrostetes Eisen, mit Kies und Sand verkrustet, aus der Donau gebaggert. Doch der Fund aus Deinham in Oberösterreich entpuppt sich nach wissenschaftlichen Analysen als Schatz aus der Eisenzeit – und als Europas bislang größte bekannte Ansammlung solcher Eisenbarren.
Mindestens 500 Halbfabrikate kamen dort bereits 2019 bei Kiesabbauarbeiten ans Licht. Ihr ursprüngliches Gesamtgewicht schätzen Archäologen um Peter Trebsche von der Universität Innsbruck auf rund 1.035 Kilogramm Eisen. Das Material hätte gereicht, um ungefähr 500 Schwerter herzustellen.
Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Untersuchungen des Funds wurden nun im Fachjournal „Antiquity“ veröffentlicht. Radiokarbondatierungen ordnen die Barren in die La-Tène-Zeit ein, also in die späte Eisenzeit vom 4. bis 1. Jahrhundert vor Christus.

Schatz aus der Donau landet nicht bei Schrotthändlern
Dass der Fund überhaupt untersucht werden konnte, ist aus Sicht der Forschenden ein Glücksfall. Im Frühjahr 2019 förderte ein großer Schaufelbagger im Kieswerk Deinham zahlreiche an beiden Enden zugespitzte Eisenstücke zutage. Solche stark korrodierten Flussfunde werden leicht übersehen – oder für wertlosen Schrott gehalten.
Die Arbeiter meldeten die Objekte jedoch dem österreichischen Bundesdenkmalamt. „Es grenzt an ein kleines Wunder, dass dieser außergewöhnliche Fund nicht bei Schrotthändlern gelandet ist, sondern dem österreichischen Bundesdenkmalamt gemeldet wurde“, schreibt der Studienautor Trebsche. „So konnte der größte Massenfund von Eisenbarren in Europa geborgen werden.“
- „Monumental“: Archäologen öffnen 5000 Jahre altes Grab voller Rätsel
- Verschollener Palast: Spektakuläre Entdeckung – Mittelalter-Rätsel gelöst
Keine fertigen Waffen, sondern Halbfabrikate
Am Ende kamen 540 Fragmente zusammen. Die Wissenschaftler konnten daraus eine Mindestzahl von exakt 500 Barren bestimmen. Seit 2023 werden die Funde dauerhaft bei der Oberösterreichischen Landes-Kultur GmbH in Linz aufbewahrt.
Bei den Fundstücken handelt es sich um sogenannte Halbfabrikate. Sie waren also bereits geschmiedet, aber noch nicht zu fertigen Gegenständen verarbeitet. Aus ihnen konnten Schmiede einst Waffen, Werkzeuge oder Nägel herstellen.
Die Deinhamer Stücke weisen eine charakteristische, an beiden Enden zulaufende Form auf. Die Forscher ordnen sie einer neuen Variante dieser eisenzeitlichen Halbfabrikate zu.
Vermutlich bei einem Schiffsunglück verloren
Doch wie gelangte mehr als eine Tonne Eisen nach Deinham? Der Fundort liefert einen entscheidenden Hinweis. Die Barren kamen in einem Gebiet zum Vorschein, in dem vor der Regulierung der Donau mehrere Flussarme verliefen. Die Forscher gehen deshalb davon aus, dass die schwere Ladung einst auf dem Fluss transportiert wurde.