Der Stoff, aus dem die Zukunft ist
Wie ein altes Metall Ihr nächstes Auto verteuert
14.09.2026 – 15:17 UhrLesedauer: 3 Min.
Der Kupferpreis erreicht Rekordwerte. Und das werden bald auch die Verbraucher zu spüren bekommen. Neben Wärmepumpen und Stromkabeln sind Elektroautos besonders betroffen.
Die Ausrichtung der globalen Wirtschaft hin zur Elektrifizierung erhöht den Druck auf einen Rohstoff, der lange als selbstverständlich galt: Kupfer. Da der Ausbau der Stromnetze, die Elektromobilität und der Boom der Künstlichen Intelligenz (KI) immer größere Mengen des Metalls binden, reagieren die Märkte mit Rekordpreisen. An der Londoner Metallbörse LME etwa stieg der Preis für eine Tonne Kupfer zuletzt auf rund 14.800 US-Dollar.
Was zunächst wie ein abstraktes Problem der Rohstoffmärkte klingt, betrifft über steigende Netzentgelte, teurere Wärmepumpen und höhere Kosten bei Elektroinstallationen zunehmend auch den Alltag der Verbraucher.
Warum KI-Rechenzentren den Kupferbedarf treiben
Bisher galt die Energiewende als der stärkste Treiber der weltweiten Kupfernachfrage. In den vergangenen Monaten ist jedoch ein neuer, kapitalstarker Akteur hinzugekommen: der Ausbau von KI-Rechenzentren. US-Tech-Konzerne und Infrastrukturbetreiber wie Amazon, Alphabet und Meta errichten mit hoher Geschwindigkeit neue, leistungsfähige Rechenzentren.
Für die interne Stromverteilung, Transformatoren und Kühlsysteme benötigen diese Anlagen große Mengen Kupfer. Marktanalysen für große Hyperscale- (also besonders große) Rechenzentren nennen Kupfermengen von bis zu 50.000 Tonnen pro Anlage. Große KI-Infrastrukturprojekte verschärfen somit den Wettbewerb um die verfügbaren Mengen. Der Finanzdienstleister S&P Global prognostiziert, dass die weltweite Kupfernachfrage bis 2040 insgesamt um rund 50 Prozent steigen wird.

Autobauer weichen auf Aluminium aus
In besonderem Maße wächst jedoch der Bedarf in der Automobilindustrie. Nach Berechnungen von S&P Global enthält ein Elektroauto je nach Segment mit rund 75 Kilogramm fast dreimal so viel Kupfer wie ein klassischer Verbrenner.
Um den daraus resultierenden Material- und Kostendruck zu reduzieren, setzen Hersteller bei der Fahrzeugverkabelung zunehmend auf Aluminium statt Kupfer.
Dahinter steckt ein technologischer Kompromiss: Aluminium ist derzeit etwa ein Viertel so teuer wie Kupfer, leitet Strom jedoch deutlich schlechter. Um eine ähnliche Effizienz beim Transport derselben Strommenge zu erreichen, müssen Aluminiumkabel einen größeren Querschnitt haben. Für die Ingenieure bedeutet das: Die Kabel werden dicker und beanspruchen wertvollen Bauraum im Fahrzeug.
| Fahrzeugtyp | Durchschnittlicher Kupferbedarf |
|---|---|
| Klassischer Verbrenner | etwa 25 kg |
| Elektroauto | etwa 75 kg |
Zollsorgen in den USA und Lieferrisiken in Chile
Der aktuelle Preissprung wird zusätzlich durch eine Kombination aus geopolitischen Erwartungen und wetterbedingten Förderausfällen verstärkt.