Erpresser forderte 49 Millionen Euro
Als Klattens Ehemann nach einigen Wochen misstrauisch wurde, verlangte Sgarbi von ihr, sich für ihn zu entscheiden. Zudem schlug er ihr vor, weitere Hunderte Millionen Euro über ihn zu investieren. Klatten beendete daraufhin die Beziehung.
Sgarbi wiederum probierte es weiter und drohte ihr schließlich subtil, indem er ihr Bilder aus einem heimlich aufgenommenen Video zukommen ließ. Die Aufnahmen waren bei einem Treffen in einem Hotelzimmer entstanden, noch bevor er sie zum ersten Mal um Geld gebeten hatte. Dies deutete darauf hin, dass die Erpressung von Anfang an geplant war.
Sgarbi forderte zunächst 49 Millionen Euro für sein Schweigen. Als Klatten nicht reagierte, schickte er ihr später eine Kopie des Videos auf DVD und reduzierte seine Forderung auf 14 Millionen Euro. Statt zu zahlen, vertraute sie sich im Januar 2008 ihrem Mann an und erstattete Anzeige bei der Polizei. Damit nahm sie in Kauf, dass sowohl ihre Affäre als auch die Erpressung öffentlich werden konnten.
Erpresser Sgarbi im Parkhaus verhaftet
Die Polizei bereitete daraufhin eine fingierte Geldübergabe in einem Tiroler Parkhaus vor. Dort nahm eine österreichische Spezialeinheit Sgarbi fest. Im Zuge der Ermittlungen stellte sich heraus, dass Klatten nicht sein einziges Opfer war. Sgarbi soll mindestens zwei weitere vermögende Frauen gezielt ausgesucht, intime Beziehungen zu ihnen aufgebaut und sie anschließend um Geld gebracht haben.
Bis dahin hatte niemand Details an die Öffentlichkeit durchsickern lassen. Doch die italienischen Behörden ermittelten weiter zu einem mutmaßlichen Komplizen des bereits verhafteten Sgarbi. Dieser soll ein regelrechtes System zur Erpressung vermögender Frauen errichtet haben. Der Fall gelangte in die italienischen Medien und so wurde die Geschichte auch in Deutschland bekannt.
Sgarbi saß zu diesem Zeitpunkt bereits in U-Haft. 2009 wurde er zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt. Wo die erbeuteten Millionen verblieben sind, konnte nicht geklärt werden.
Die Erpressung habe ihre Sicht auf das Leben verändert, sagte Klatten 2008 dem „Spiegel“: „Ich habe in den zwölf Monaten gelernt, mit dem Leben anders umzugehen, meinen Perfektionismus weiter abzulegen.“ Für ihre Zukunft formulierte sie ein persönliches Ziel: „Ich habe mir die Aufgabe gestellt, fröhlich zu werden.“