Polizei jagt Daniel V.
Sabotage-Verdächtiger: Mediziner, Gitarrenbauer, arbeitslos
05.09.2026 – 10:09 UhrLesedauer: 3 Min.
Nach Anschlägen auf mehrere Umspannwerke fahndet die Polizei europaweit nach einem 48-Jährigen. Ein SEK-Zugriff geht ins Leere. Was über den Verdächtigen Daniel V. bekannt ist.
Nach den Anschlägen auf Umspannwerke in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen fahndet die Polizei weiter nach einem 48-jährigen Mann aus Gevelsberg. „Wir befinden uns immer noch in der Fahndungslage“, sagte eine Sprecherin der Polizei Köln am Samstagmorgen der Nachrichtenagentur AFP.
„Starke Polizeikräfte“ seien im Einsatz. Nach Behördenangaben ist der Gesuchte Jahrgang 1977, nach ihm wird europaweit gefahndet. Am Freitagabend konzentrierte sich die Suche zeitweise auf den Hambacher Forst: Dort stürmten schwer bewaffnete SEK-Kräfte einen auffälligen Lastwagen, mit dem der Tatverdächtige nach Informationen aus Ermittlerkreisen zuvor unterwegs gewesen sein soll.
Der Zugriff blieb jedoch ohne Erfolg – der Gesuchte befand sich nicht in dem Fahrzeug. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) geht davon aus, dass der Mann inzwischen zu Fuß unterwegs ist und nicht weit kommen dürfte. Polizeikräfte durchsuchten den Wald mit Spürhunden, beendeten die Suche dort zunächst und setzten die Durchsuchungen später am Abend fort.

Bekennerschreiben führt Ermittler nach Gevelsberg
Auf die Spur des 48-Jährigen kamen die Ermittler durch zwei Bekennerschreiben. Darin bekennt sich der Unterzeichner Daniel V. zu den Sabotageakten auf Umspannwerke in Nordrhein-Westfalen und Brandenburg. Ob der Gesuchte die Briefe tatsächlich verfasst hat, ist bislang unklar. Nach Angaben von Reul halten die Ermittler die Schreiben allerdings für authentisch. Sie enthielten demnach Täterwissen.
Ungewöhnlich ist vor allem, wie der Unterzeichner vorging: Nach Angaben Reuls unterschrieb er mit seinem vollen Namen und gab eine Wohnanschrift in Gevelsberg an. Daraufhin stürmten SEK-Kräfte die dortige Wohnung. Daniel V. trafen die Ermittler nicht an. Sie fanden dort allerdings Sprengstoff und stellten diesen sicher.
Bekennerschreiben nennt Motiv für die Anschläge
Aus den Bekennerschreiben ergeben sich auch Hinweise auf ein mögliches Motiv. Nach Angaben von Innenminister Alexander Dobrindt und Reul begründet der Unterzeichner die Anschläge mit seiner Ablehnung der Energieerzeugung aus fossilen Brennstoffen. Bei der „taz“ ging eines der Schreiben ein. Demzufolge bezeichnet er diese Art der Stromerzeugung als Verbrechen, das „unsägliches Leid“ nach sich ziehe. Dieses wolle er abwenden oder vermindern.
Zugleich greift der Unterzeichner Medien und Staat an. Medien würden „einen Scheiß tun, die Dringlichkeit der Situation zu vermitteln“, zitiert ihn die „taz“. Der Staat greife seiner Darstellung nach ebenfalls nicht ein, um das von ihm beschriebene Leid abzuwenden.
Anschläge sollen nicht der „linken Szene“ zugeschrieben werden
Der Unterzeichner behauptet zudem, die Taten allein begangen zu haben. Er begründet seine Erklärung damit, verhindern zu wollen, dass die Anschläge der „linken Szene“ zugeschrieben werden.