Überraschend stark korrigiert das Ifo-Institut seine Konjunkturprognose nach oben. Damit ist klar: Es geht wieder aufwärts mit Deutschland – auch wenn es ein Aufschwung auf Pump ist.
Alles schlecht, das Land fällt zurück, die Deutschen werden ärmer: Lamentieren und Maulen – für diese These muss sich niemand weit aus dem Fenster lehnen –, das kann Deutschland gut. Nicht nur ist die „German Angst“ weltweit zum geflügelten Wort geworden, mittlerweile ist auch der deutsche Missmut vielen Menschen im Ausland ein Begriff.
Und bis zuletzt gab es für die miese Stimmung im Land auch einen guten Grund: Stellenabbau in der Autoindustrie, Firmenpleiten, stagnierende Löhne bei gleichzeitig steigenden Preisen – kurz: die lahmende Wirtschaft, die ungewöhnlich lange einfach kein Wohlstandswachstum brachte.
Drei Jahre in Folge, seit der Corona-Pandemie, schrumpft das Bruttoinlandsprodukt oder es stagniert, während die Konjunktur in den meisten anderen Industrienationen längst wieder angesprungen ist. So eine ausgedehnte Flaute hat Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg nicht erlebt.
Der Aufschwung ist da
Doch damit ist nun ganz offensichtlich Schluss. Immer mehr Konjunkturforscher korrigieren ihre Prognosen für das Wachstum der deutschen Volkswirtschaft nach oben. Nachdem bereits andere Forschungseinrichtungen Ähnliches getan hatten, setzte am Donnerstag auch das Münchner Ifo-Institut seine Prognose überraschend stark herauf: 1,4 Prozent Wachstum erwartet das Ifo für das laufende Jahr, 1,2 Prozent für das kommende. Zum Vergleich: Im Frühjahr rechneten dieselben Ökonomen noch mit einem viel kleineren Plus von gerade einmal 0,8 Prozent für 2026 und 1,1 Prozent für 2027.
Ohne zu viel Optimismus zu verbreiten, lässt sich damit jetzt sagen: endlich einmal gute Nachrichten! Der Aufschwung ist da. Auch wenn es erst einmal nur ein leichter Anstieg ist und bei Weitem kein Boom – es geht aufwärts mit der deutschen Wirtschaft. Und es zeigt sich: Sie ist robuster, als es manche Niedergangsüberschrift nahelegt.
Bemerkenswert ist das vor allem deshalb, weil viele Spannungen, Unsicherheiten und Verwerfungen an den Weltmärkten weiterhin andauern. Besonders gilt das für den Konflikt im Nahen Osten, der die Energiepreise stark nach oben getrieben hat. Und es gilt: Sollten die USA ihren Krieg im Iran doch beenden können, einen wie auch immer gearteten „Deal“ finden, dann könnte es für Deutschlands Wirtschaft sogar noch besser laufen.
Der Staat nimmt Milliarden an Schulden auf
Zur Wahrheit gehört bei alldem jedoch auch: Ein sehr großer Teil dieses Wachstums geht auf die steigenden Staatsausgaben zurück, im Bereich der Rüstungsindustrie und in der Infrastruktur.