Regelung in Deutschland
Notfall am Berg: Wer zahlt den Rettungshubschrauber?
20.08.2026 – 12:11 UhrLesedauer: 2 Min.
Mit Flipflops auf den Berg oder ohne Wasser dem Kreislaufkollaps nahe? Nicht immer sind Bergwanderer ausreichend vorbereitet und geraten dadurch in Gefahr.
Ein falscher Tritt beim Wandern, ein Sturz beim Klettern oder plötzlich auftretende Kreislaufprobleme: Wer in Deutschlands Bergen in eine Notlage gerät, kann über die Notrufnummer 112 die Rettungskräfte alarmieren. Doch spätestens, wenn ein Rettungshubschrauber anrückt, stellt sich für viele die Frage: Wer bezahlt den Einsatz?
Grundsätzlich kommt es darauf an, ob es sich um eine medizinisch notwendige Rettung oder lediglich um eine Bergung handelt. Wird ein verletzter oder erkrankter Bergsteiger medizinisch versorgt und ist der Einsatz eines Rettungshubschraubers notwendig, übernimmt bei Versicherten in Deutschland in der Regel die Krankenversicherung die Kosten. Die Rettungshubschrauber sind Teil des öffentlich-rechtlichen Rettungsdienstes. Welches Rettungsmittel eingesetzt wird, entscheidet dabei die Leitstelle – nicht der Anrufer.
Ehrenamtlich Leben retten
Bemerkenswert ist, dass die eigentliche Bergrettung in Deutschland weitgehend ehrenamtlich getragen wird. Rund 12.000 Bergretterinnen und Bergretter engagieren sich nach Angaben des Deutschen Roten Kreuzes in den deutschen Mittel- und Hochgebirgen ehrenamtlich; allein in Bayern sind es rund 4.500 Einsatzkräfte, die rund um die Uhr für Bergnotfälle bereitstehen.
Rettung oder Bergung – ein entscheidender Unterschied
Anders kann es aussehen, wenn jemand unverletzt in Bergnot gerät. Ein typischer Fall wäre ein Wanderer, der sich verstiegen hat und aus eigener Kraft weder vor- noch zurückkommt. Eine solche Bergung ist medizinisch nicht notwendig und fällt damit nicht automatisch unter die Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung. Die Bergwacht Bayern formuliert es entsprechend deutlich: Kosten für Einsätze ohne notfallmedizinische Versorgung sind grundsätzlich vom Verursacher selbst zu tragen.
Das kann teuer werden. Neben der eigentlichen Bergrettung (Personalkosten, die in Pauschalen abgerechnet werden) können enorme Kosten entstehen, wenn etwa ein Rettungshubschrauber benötigt wird. Abhängig von der Zeit, die ein Rettungshubschrauber im Einsatz ist, kann eine solche Aktion schnell zwischen 3.000 und 10.000 Euro kosten.
Kann man privat vorsorgen?
- Mitgliedschaft im Alpenverein: Wer Mitglied im Deutschen Alpenverein (DAV) ist, ist über den alpinen Sicherheits-Service (ASS) weltweit bei Bergsportunfällen versichert. Dies deckt oft Bergungs- und Suchkosten ab, die nicht von der gesetzlichen Kasse übernommen werden.
- Zusatzversicherungen: Private Unfallversicherungen oder spezielle Auslandskranken- und Freizeitversicherungen bieten ebenfalls Tarife mit Bergungskostenschutz an.
Im Notfall die richtige Entscheidung treffen
In einer Stresssituation eine medizinische oder finanzielle Abwägung zu treffen, ist häufig rational kaum möglich. Als Faustregel gilt: Wenn man sich oder andere nicht mehr selbstständig und sicher aus der Situation befreien kann, liegt eine Notlage vor.
Übrigens: Auch in den italienischen Alpen werden künftig Personen zur Kasse gebeten, die nach einer Bergrettung nicht medizinisch versorgt werden müssen. Die Kapazitäten der Rettungsstellen würden nicht mehr ausreichen, um Leichtsinnige zu bergen, heißt es von der italienischen Finanzpolizei.