Im ganzen Land fehlt Sprit
Das müssen Russen jetzt tanken
15.08.2026 – 10:21 UhrLesedauer: 2 Min.
Drohnenangriffe auf Raffinerien führen zu Benzinknappheit in Russland. Der höhere Schwefelanteil kann Motoren belasten und die Wirtschaft beeinträchtigen.
Russland erlaubt auf dem Inlandsmarkt wieder Kraftstoffe, die deutlich mehr Schwefel enthalten dürfen, als es vorgesehen ist. Damit gelten ab sofort neben der Euro-5-Norm wieder die alten Qualitätsstufen Euro 2, Euro 3 und Euro 4. Grund für diese Notmaßnahme sind massive Engpässe, die durch ukrainische Drohnenangriffe auf Raffinerien verursacht wurden.
Gift für Motoren
Die verschiedenen Klassen unterscheiden sich vor allem durch ihren Schwefelgehalt: So darf Euro-3-Benzin bis zu 150 Milligramm Schwefel pro Kilogramm enthalten, während der Schwefelgehalt bei modernem Euro-5-Kraftstoff auf maximal zehn Milligramm pro Kilogramm begrenzt ist. Ein hoher Schwefelgehalt kann die Abgasreinigung moderner Fahrzeuge stark beeinträchtigen und den Verschleiß erhöhen. Zudem drohen erhebliche Risiken für landwirtschaftliche Maschinen, da korrosive Rückstände die Bauteile angreifen.
Raffinerien lahmgelegt
Die Ukraine nimmt derzeit gezielt Raffinerieanlagen in Russland ins Visier ihrer Drohnenangriffe. Der US-Thinktank Atlantic Council schätzt die zeitweisen Ausfälle bei den russischen Raffineriekapazitäten auf 30 bis 45 Prozent. Die daraus resultierende Treibstoffknappheit bremst somit die gesamte russische Wirtschaft. Weil weniger Benzin und Diesel zur Verfügung stehen, verteuern sich Transporte und Produktion im ganzen Land. Das bremst das Wachstum und betrifft Industrie, Landwirtschaft und Verbraucher gleichermaßen.
Benzin aus Indien
Die Versorgungskrise zwingt den Kreml zu einem ungewöhnlichen Schritt: Russland, einer der weltweit größten Ölproduzenten, muss nun selbst Treibstoff importieren. Indien hat bereits größere Mengen Benzin nach Russland geliefert und weitere Sendungen sind geplant. Auch zusätzliche Importe aus anderen Staaten werden geprüft.
Die Ausfuhren über den wichtigen Schwarzmeerhafen Taman zeigen, wie beispiellos die Lage ist. Im Frühjahr brachen die Kraftstoffexporte dort zeitweise komplett ein. Die Internationale Energieagentur bezeichnet die Belastungen für den russischen Ölsektor als „beispiellos“. Moskau begrenzt die Exporte und erhöht die Importe, um den Inlandsmarkt zu versorgen.