Europas Fußball setzt sich gegen die Pläne des Fifa-Chefs mit großer Wucht zur Wehr. Endlich – aber das darf erst der Anfang sein.
Vielleicht war das jetzt tatsächlich doch die eine Volte zu viel, die sich Gianni Infantino in seiner an Volten nicht armen Ägide als Präsident der Fifa geleistet hat. Und vielleicht hat dieser windige Wirtschafter aus dem Wallis mit seinem neuerlichen Auswuchs zügelloser Gier und Geltungssucht dem Weltfußball ungewollt sogar den größten Gefallen seiner Amtszeit getan.
Denn das, was Europa politisch so selten – wenn überhaupt – zu schaffen scheint, das ist Europa nun sportlich gelungen: Ein deutliches Signal, ein klares Zeichen der Einigkeit. Eine Haltung, eine Absage an die Alleinherrschaft eines Mannes und den von enthemmter Profitmaximierung getriebenen Turbo-Kapitalismus. Breite Brust statt Selbstverzwergung. Rückgrat statt kraftloser, untertäniger Buckelei.
Wie die Jugendstil-Möbel der toten Oma
In einem längst nicht mehr einmalig dreisten Alleingang will Infantino Anteile am Aushängeschild seines Verbands, dem größten Sportereignis der Welt, an die Meistbietenden verhökern wie die Jugendstil-Möbel der toten Oma bei einer Wohnungsauflösung. Und kann sich damit endgültig verpokert haben. Er, der so unantastbar scheint, der sich die National- und Kontinentalverbände der Welt mit Geldausschüttungen und zusätzlichen WM-Startplätzen gefügig gemacht hat.
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Der im schweizerischen Nyon ansässige europäische Dachverband Uefa reagierte nun bemerkenswert deutlich. „Die Weltmeisterschaft darf nicht als Anlageprodukt behandelt werden. Sie ist eines der größten sportlichen Vermächtnisse des Fußballs“, heißt es in der Mitteilung vom Donnerstag.
Der Fußball-Kontinent besinnt sich seiner Stärken
Mehr noch: „Kein Teil davon darf jemals an private Investoren abgetreten werden. Die Weltmeisterschaft steht nicht zum Verkauf.“ Mit Blick auf die auffällig kurze Frist, bis zu der dem Anliegen zugestimmt werden muss, und der Androhung drastischer finanzieller Einbußen bei Ablehnung, ist gar von „Herrschaft durch Einschüchterung“ die Rede, von einem „Akt der Nötigung“.
Die Konsequenz: „Die Uefa und ihre Nationalverbände werden sich diesen Plänen mit absoluter Entschlossenheit widersetzen.“ Kommen die Pläne durch, werden alle 55 in der Uefa organisierten Verbände die Turniere der Fifa – allen voran WM und Klub-WM – boykottieren. Die Botschaft: Der Fußball in seiner klassischen Ausprägung ist noch nicht tot. Im Gegenteil. Vielleicht ist es aber Infantinos Vorstellung vom Fußball.

