Gunther von Hagens
„Körperwelten“-Erfinder gestorben: Warum Köln ihm eine Szene verbot
27.07.2026 – 13:12 UhrLesedauer: 2 Min.
Mit seinen präparierten Leichen provozierte Gunther von Hagens Kirchen, Städte und Millionen Menschen zugleich. Nun ist der Erfinder der Plastination gestorben.
Gunther von Hagens ist tot. Der Erfinder der Plastination und Schöpfer der umstrittenen „Körperwelten“-Ausstellungen starb am Freitag im Alter von 81 Jahren, wie seine Familie in Heidelberg mitteilte. Sein eigener Körper soll nach seinem Tod ebenfalls plastiniert werden.
Von Hagens hatte Millionen Menschen einen Blick unter die menschliche Haut ermöglicht. Seine präparierten Körper zeigte er unter anderem als Sportler, Denker oder in alltäglichen Posen. Einige Exponate sorgten jedoch für heftige Kritik – auch in Köln.
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Köln verbot Sexszene mit plastinierten Leichen
Besonders umstritten waren Darstellungen zweier plastinierter Körper beim Geschlechtsverkehr. Die Städte Köln und Augsburg untersagten von Hagens, eine solche Szene öffentlich zu zeigen.
Kritiker warfen ihm vor, die Würde Verstorbener zu verletzen und menschliche Körper zu Schauobjekten zu machen. Auch die großen Kirchen lehnten die Präsentation der Toten ab. Die evangelische Kirche sprach von einem würdelosen Umgang mit Verstorbenen.
Von Hagens selbst verteidigte seine Arbeit stets. Kontroversen seien für ihn ein Zeichen dafür gewesen, dass seine Ausstellungen die Menschen berührten, zum Nachdenken anregten und Diskussionen auslösten.
Millionen Besucher bei den „Körperwelten“
Der Mediziner entwickelte die Plastinationstechnik in den 1970er-Jahren in Heidelberg. Dabei werden Wasser und Fett aus einem Körper entfernt und durch Kunststoffe ersetzt. So können Körper und Organe dauerhaft konserviert werden.
1993 gründete von Hagens das Institut für Plastination. Seine „Körperwelten“ verstand er nicht als Unterhaltung, sondern als Anatomieausstellung. Die Besucher sollten nach seiner Vorstellung den eigenen Körper besser kennenlernen und bewusster mit ihrer Gesundheit umgehen.

Die Plastinate werden seit 2006 unter anderem in einer Werkstatt im brandenburgischen Guben hergestellt. Dort werden neben menschlichen Körpern auch Tiere präpariert. Viele der Präparate gehen zudem an Universitäten und medizinische Einrichtungen weltweit.
Krankheit zwang ihn zum Rückzug
2008 war bei von Hagens Parkinson diagnostiziert worden. Die Krankheit beeinträchtigte später auch sein Sprachzentrum stark. Zuletzt hatte er sich deshalb weitgehend aus dem Geschäft zurückgezogen.
Seine Frau Angelina Whalley übernahm zunehmend die Kommunikation für ihn. Gemeinsam mit seinem Sohn Rurik führt sie seine Arbeit fort. Von Hagens hatte nach eigenen Worten darauf vertraut, dass sein Lebenswerk bei seiner Familie in guten Händen sei.
