Aber wie stehen Sie privat zu diesen Künstlern: Würden Sie zu ihren Shows gehen?
Nein. Zum Glück gibt es genügend großartige Comedians, bei denen sich dieses Dilemma gar nicht erst stellt.
Die Wärmepumpe wurde erst zu einem ideologischen Symbol gemacht – und zwar von denen, die behauptet haben, keine Ideologen zu sein.
claus von wagner
Bei der „Anstalt“ erreichen Sie auch nur noch Menschen innerhalb der eigenen Blase, oder?
Ich glaube, diese Frage greift zu kurz. Ich habe neulich in Erfurt gespielt. Da kamen Menschen nach dem Auftritt zu mir und sagten: „Wir waren froh, mal wieder unter Gleichgesinnten zu sein, – wir dachten schon, wir wären mit unserer politischen Haltung allein.“ Auch das ist wichtig. Gleichzeitig senden wir im ZDF zu einer großen Öffentlichkeit. Unsere Inhalte erreichen selbstverständlich auch Menschen, die sich darüber ärgern. Das bekommen wir in den Reaktionen durchaus mit.
Ihnen wird regelmäßig eine linke Agenda vorgeworfen.
Entscheidend ist, sich redlich mit den Themen auseinanderzusetzen. Wir sprechen ganz bewusst auch mit Expertinnen und Experten, von denen wir wissen, dass sie anderer Meinung sind als wir. Das schärft entweder die eigenen Argumente oder überzeugt einen sogar davon, seine Meinung zu ändern.
Trotzdem bleibt der Eindruck, manche Themen würden aus einer bestimmten politischen Richtung erzählt.
Manchmal erklären wir schlicht Sachverhalte. Das Stromnetz zu erklären, ist erst einmal nicht links. Auch die Wärmepumpe wurde erst zu einem ideologischen Symbol gemacht – und zwar von denen, die behauptet haben, keine Ideologen zu sein. Die CDU hat also letztlich ein technisches Gerät für links erklärt.
Ist es frustrierend, wenn genau daraus politische Lagerkämpfe entstehen?
Natürlich! Übrigens sind wir uns in der Redaktion nicht immer alle einig. Aber die interessanten Sendungen entstehen durch Diskussionen. Wir debattieren intern intensiv, welche Schlussfolgerungen sich aus den Fakten ziehen lassen. Das ist anstrengend, aber auch besser.
Sie haben eben die Wärmepumpe erwähnt. Kaum ein Politiker wurde mit diesem Thema so verbunden wie Robert Habeck. Ist er aus Ihrer Sicht eine tragische Figur?
In gewisser Weise schon. Ich halte ihn für einen außergewöhnlich guten politischen Kommunikator. Man kann über seine Politik ja gern unterschiedlicher Meinung sein, aber ich hatte bei ihm zum ersten Mal das Gefühl, dass hier ein Minister wirklich versucht, Dinge zu erklären, in den direkten Austausch geht und auch komplizierte Zusammenhänge verständlich machen will. Wenn jemand gerade dafür so viel Hass erfährt, finde ich das tragisch.
