Spektakuläres Foto ist kein KI-Bild
Wasserfälle schießen Matterhorn-Hänge hinab
Aktualisiert am 02.07.2026 – 16:42 UhrLesedauer: 3 Min.

Regelrechte Sturzbäche schießen die Hänge des Matterhorns hinab. Viele sind irritiert und glauben an KI-generierte Bilder. Aber das Phänomen ist so real wie besorgniserregend.
Dem 78 Jahre alten Bergführer Harry Lauber ist ein spektakuläres Foto gelungen. Er ist in Zermatt aufgewachsen, das Matterhorn ist ihm ein ständiger Gefährte im Leben. Jetzt hat er mit der Kamera ein Phänomen eingefangen, das er so nur einmal zuvor erlebt hat: Wassermassen stürzen das 4.478 Meter hohe Schweizer Wahrzeichen herab – fast sieht es aus, als würden mächtige Wasserfälle aus dem Berg schießen.
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Einige sagen dazu nun: „Das Matterhorn weint.“ Andere können nicht glauben, was sie sehen und bezichtigen Lauber, das Bild mittels künstlicher Intelligenz erzeugt zu haben.
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Lauber widerspricht dem. Als Entstehungsdatum des Fotos gibt er den 25. Juni an. Bei Facebook schreibt er, er habe um 18.18 Uhr auf den Auslöser gedrückt.
Dem Rundfunksender RSI sagte der Bergführer, er habe das Foto von seinem Haus in Zermatt aus aufgenommen. Das Phänomen habe etwa fünf bis zehn Minuten gedauert – und die Ursache sei ein Gewitter gewesen.
Null-Grad-Grenze wandert immer häufiger über Matterhorn-Gipfel
Experten bestätigen, dass der „weinende Berg“ kein Einzelfall sei und ein Zusammenhang mit dem vom Menschen verursachten Klimawandel bestehe. Das Ereignis sei allerdings selten, weil dafür zwei Faktoren zusammenkommen müssten, erklärte Luca Nisi, Meteorologe von MeteoSchweiz.
Ungewöhnlich hohe Temperaturen wie bei der Hitzewelle in der vergangenen Woche sind demnach die eine Komponente. Am Matterhorn verschiebe sich die sogenannte Null-Grad-Grenze im Zuge der Klimakrise immer öfter weit nach oben. „In den vergangenen Jahren sind positive Temperaturen auf 5.000 Metern häufiger geworden“, sagte Meteorologe Nisi. Am 25. Juni habe die Null-Grad-Grenze bei 4.500 Metern gelegen, also etwa in Gipfelhöhe.

Zugleich gewitterte es heftig, und erst dieses Zusammenspiel aus hoher Null-Grad-Grenze und Starkregen habe das beobachtete Phänomen ausgelöst. „Da es sich um blankes Gestein handelt, fließt der Regen sofort talwärts und bildet die Wasserfälle“, erläuterte Nisi. „Früher hätte dasselbe Gewitter den Berg wahrscheinlich mit Schnee statt mit Regen bedeckt.“
