Auf die Frage, weshalb Petrović die Show nicht verlassen musste, heißt es: „Entscheidungen über Maßnahmen in unseren Formaten werden stets anhand des konkreten Einzelfalls und des jeweiligen Gesamtkontexts getroffen. Dabei berücksichtigen wir sowohl den Ablauf der Situation als auch die Dynamik zwischen den Beteiligten. Unterschiedliche Formate und Situationen lassen sich deshalb nicht pauschal miteinander vergleichen.“
Das Ursprungsproblem, dass es in den Formaten regelmäßig zu Eskalationen kommt, könnte für RTL laut Ramon Wagner auf lange Sicht noch zum Problem werden. „In diesem Jahr haben wir einen Punkt überschritten. Man stumpft ab. Natürlich wollen die Leute auch jedes Jahr eine andere Eskalationsspirale.“ Gleichzeitig wird die Kritik immer lauter.
Ramon Wagner: Gil Ofarims Dschungel-Sieg war der Wendepunkt
Als Wendepunkt sieht Wagner Gil Ofarims Dschungelcamp-Sieg im Februar. „Die Leute fanden das nicht okay, dass er teilnehmen durfte und die Leute fanden es nicht okay, dass er gewonnen hat.“ Immerhin war auch Ofarim bereits Skandal-behaftet. Von da an habe Wagner ein Umdenken beobachtet.
Der zweite Punkt sei Menowin Fröhlichs DSDS-Sieg gewesen. Auch hier habe sich RTL seine Regeln zurechtgelegt. „Man hat dieses Format so umgebaut, dass man ihn zum dritten Mal stattfinden lassen kann, was die Leute als sehr unfair den anderen Kandidaten gegenüber empfunden haben.“
Noch bringen solche Momente Quote, doch Wagner ist sich sicher, dass die Zuschauer schon bald das Interesse verlieren werden: „Wenn die Leute irgendwann abschalten, weil die Spirale überdreht wurde und sie nicht mehr zusehen wollen – diese Leute kriegst du auch nicht mehr zurück.“ Er sei sich über die Werbekrise in der Industrie und den Kampf um Streams bewusst. „Doch wenn man die Kernzielgruppe verliert, also die Reality-Liebhaber, dann wird es kritisch. Da muss man sich die Frage stellen, warum ist das so?“
Er habe auch Verständnis für Produktionsfirmen, die einem „enormen Druck“ ausgesetzt seien. Doch anstatt weiterhin auf Gewalt und Streit zu setzen, appelliert er an RTL, wieder echte Geschichten zu erzählen.
Max Richard Leßmann: „Prognosen haben sich zugespitzt“
Ein großer Fan, den RTL bereits verloren hat, ist Max Richard Leßmann. Gemeinsam mit Visa Vie moderierte der Autor von Oktober 2023 bis März 2025 den Reality-TV-Podcast „Radio Island“. Trotz ihres großen Erfolgs beendeten sie das Projekt freiwillig. Der Grund: Reality-TV-Formate wurden für sie zu belastend, die Themen wurden zu ernst, der Spaß ging verloren.
