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Gesundheit

Arzt bemängelt – die Volkskrankheit wird stark unterschätzt

wochentlich.deBy wochentlich.de29 Juni 2026Keine Kommentare3 Mins Read
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Arzt bemängelt – die Volkskrankheit wird stark unterschätzt
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„Kostet Deutschland Millionen“

Arzt: Volkskrankheit wird stark unterschätzt


Aktualisiert am 29.06.2026 – 19:30 UhrLesedauer: 4 Min.

Stechende Schmerzen am Daumenansatz (Symbolbild): Die Daumensattelgelenk-Arthrose ist weit verbreitet.Vergrößern des Bildes

Stechende Schmerzen am Daumenansatz (Symbolbild): Die Daumensattelgelenk-Arthrose ist weit verbreitet. (Quelle: ljubaphoto/getty-images-bilder)

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Jahrelang litt eine Arthrose-Patientin unter starken Daumenschmerzen. Eine winzige Prothese brachte ihr die Beweglichkeit zurück – und machte sie innerhalb weniger Wochen schmerzfrei.

Einen Schlüssel im Schloss drehen, ein Hemd knöpfen, auf die Tastatur tippen – für viele Menschen sind das Selbstverständlichkeiten. Für Paula Vogelheim wurden solche Bewegungen immer mehr zur Qual. Die Ärztin, 68 Jahre, aus Köln, litt an beiden Händen unter Rhizarthrose, einem schmerzhaften Gelenkverschleiß des Daumensattelgelenks.

Die Rhizarthrose gilt als eine der häufigsten Arthroseformen der oberen Gliedmaßen. Die Erkrankung führt zu einem Verschleiß des Gelenkknorpels, wodurch die Knochen schmerzhaft aneinander reiben. Bei der Rhizarthrose ist das Daumensattelgelenk von diesem Verschleiß betroffen – also die Verbindung zwischen Daumen und Handwurzel. Gerade dieses Gelenk ist für die Feinmotorik entscheidend: Greifen, Halten oder präzise Bewegungen wären ohne es kaum möglich.

Portrait von Paula Vogelheim
(Quelle: Paula Vogelheim)

Zur Person

Frau Vogelheim hat in der Chirurgie und Arbeitsmedizin gearbeitet. Danach war sie Abteilungsleiterin eines überbetrieblichen, arbeitsmedizinischen Dienstes. Seit zweieinhalb Jahren ist sie offiziell im Ruhestand, ist aber weiterhin in Teilzeit beruflich aktiv.

Nach den gängigen Kriterien ist die Rhizarthrose längst eine Volkskrankheit, allerdings eine unterschätzte. Etwa 20 Prozent der Menschen über 55 Jahre sind von der schmerzhaften Erkrankung betroffen, Frauen häufiger als Männer. Warum vor allem Frauen erkranken, ist noch nicht abschließend geklärt. Als Risikofaktoren gelten neben dem Geschlecht auch das Alter, genetische Veranlagungen sowie eine langjährige hohe Belastung der Hände – etwa durch bestimmte Berufe oder häufig wiederkehrende Greif- und Drehbewegungen. Hauptsymptom sind Schmerzen am Daumenansatz. Im weiteren Verlauf können die Beweglichkeit und die Griffkraft stark eingeschränkt sein.

Wie bei vielen unterschätzten Krankheiten ist auch bei der Rhizarthrose das Wissen darüber oft gering – in der Bevölkerung wie auch bei vielen Ärzten. Ein Grund, weshalb der Handchirurg Mohssen Hakimi, Chefarzt am Vivantes Klinikum in Berlin, dringend mehr Aufklärung fordert. Rhizarthrose sei nicht nur für die Betroffenen extrem schmerzhaft: „Die Erkrankung hat oft auch Arbeitsausfälle und Produktivitätsverluste zur Folge, die Deutschland Millionen kosten“, sagt der Experte. Denn neben Rentnern sind häufig auch Menschen betroffen, die mitten im Berufsleben stehen. Dabei gibt es längst gute Behandlungsmöglichkeiten.

Portrait von Dr. Mohssen Hamiki
(Quelle: Mohssen Hamiki)

Zur Person

Prof. Dr. Mohssen Hakimi ist seit 2012 als Chefarzt und Leiter des Handchirurgischen Zentrums Mitte Berlin in Vivantes Klinikum Am Urban tätig. Seit 2017 ist er einer der wesentlichen Protagonisten in der Einführung und Etablierung von Daumensattelgelenkprothesen bei der Behandlung von Rhizarthrosen.

Doch auf diese stoßen Betroffene wie Vogelheim oft erst nach einer jahrelangen, schmerzhaften Odyssee. Obwohl selbst Medizinerin, versuchte sie zunächst lange, die Beschwerden einfach auszuhalten und dann konservativ zu behandeln – etwa mit Röntgen-Tiefenbestrahlung, Schmerzmitteln und einer Daumenschiene. Weitere konservative Behandlungsoptionen sind etwa Physiotherapie oder Kortisonspritzen.

Alles, was Vogelheim versuchte, half nicht dauerhaft. Die Schmerzen wurden mit der Zeit unerträglich. „Manchmal fühlte es sich an, als würde mir jemand ein Messer ins Gelenk stoßen.“ Hinzu kamen zunehmende Bewegungseinschränkungen: Den Computer zu bedienen wurde eben so schwierig wie einfache Tätigkeiten im Alltag.

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