Ist okay, kann man machen. Das Problem ist, da waren auch viele Privatanleger dabei. Insgesamt kamen zwar kaum fünf Prozent aller Aktien von SpaceX auf den Markt. Aber wenn dann trotzdem viele versuchen, ihre Gewinne mitzunehmen und ihre Aktien verkaufen, entwickelt sich eine unschöne Dynamik.
Börsengang lieber erst abwarten
Man sagt nicht umsonst, bei Börsengängen soll man erst einmal rund sechs Wochen abwarten. Dann hat sich der Kurs eingependelt. Hypes sind vorbei, die Kurse sind näher an der Realität, und die Erwartungen werden realistischer. Inzwischen dürften viele Investoren mit SpaceX im Minus liegen.
Punkt 3: Natürlich trifft es zu, dass an der Börse die Zukunft gehandelt wird und dass die Vision von SpaceX groß und nachvollziehbar ist. Doch viel von dieser Zukunftsmusik ist eben dann schon in den Bewertungen berücksichtigt. Und dann geht erst einmal nicht viel mehr. Bis das Unternehmen beweist, dass die Story funktioniert, bis es Wachstum gibt und Gewinne abwirft. Dann sind auch weitere Kursaufschläge absolut gerechtfertigt. Aber eben erst dann.
Weitere Aktien könnten verkauft werden
Und nun? Gewinne sind bei SpaceX auf Jahre erst einmal nicht in Sicht. Das hatte das Unternehmen aber auch vor dem Börsengang transparent gemacht. Alle wussten, worauf sie sich einlassen. Jetzt müssen Anleger und Investoren bestimmte Deadlines im Auge behalten: Demnächst fallen Haltefristen, die Altaktionären nach dem Börsengang auferlegt sind. Das heißt, ab Mitte August könnten weitere Aktien von SpaceX auf den Markt kommen und den Kurs weiter belasten.
Bedenklich ist, dass erste Index-Anbieter die Aktie von Space X mit so genannten Fast Entry-Regeln vorzeitig in Aktien-Indizes aufnehmen. MSCI tut das ab heute, die NASDAQ Corp in den nächsten Tagen mit dem NASDAQ 100. Bisher galt da eine dreimonatige Frist. Im Falle des MSCI World als breitgestreutem Index hat Space X wenig Gewicht, im NASDAQ 100 sieht das anders aus. Nichtsdestotrotz müssen Index-Anbieter die Aktie kaufen, und das zu eben nicht gerade günstigen Kursen. Immerhin dürften die Käufe dieser großen Player den Kurs mitgestützt haben.
Ein Anbieter macht da nicht mit: S&P. Da bleibt es nach wie vor dabei, dass Unternehmen auch profitabel sein müssen, wenn sie in den S&P 500 aufgenommen werden wollen.
Auf jeden Fall war der Börsengang wieder ein Lehrstück über Gier und Strategie. Anleger können es demnächst besser machen: bei den geplanten Börsengängen der KI-Unternehmen Anthropic und OpenAI, Entwickler der Chatbots Claude und ChatGPT. Sie wollen mit je einer Billion US-Dollar Wert an die Börse gehen – doch auch KI ist keine Einbahnstraße. Derzeit überwiegt wieder die Skepsis der Investoren: Gerade diejenigen, die den Boom seit drei Jahren befeuern, fragen, ob sich die hohen Investitionen je auszahlen werden.
