Forscher finden mögliche Lösung
Die Schattenseite der Abnehmspritze
10.06.2026 – 11:28 UhrLesedauer: 3 Min.
Wer mithilfe der Abnehmspritze Gewicht verliert, büßt auch Muskelmasse ein. Die Lösung? Laut einer neuen Studie womöglich ein weiteres Medikament.
Menschen, die abnehmen, verlieren dabei immer auch Muskelmasse. Kommen dabei Medikamente zum Einsatz, fällt der Muskelabbau häufig noch stärker aus, als wenn sie auf natürlichem Wege schlanker werden. Helfen könnte möglicherweise eine Kombinationsbehandlung: In einer Untersuchung konnte der Antikörper Apitegromab den unerwünschten Effekt der Abnehmspritze (mit dem Wirkstoff Tirzepatid) deutlich abschwächen.
Die Schattenseite der Abnehmspritzen
Medikamente wie Tirzepatid, sogenannte GLP-1-Agonisten, können innerhalb kurzer Zeit beträchtliche Gewichtsverluste herbeiführen. Ein Teil des verlorenen Gewichts besteht allerdings nicht aus Fett, sondern aus fettfreier Körpermasse, auch Magermasse genannt. Dazu gehört unter anderem die Muskulatur.
Der Muskelverlust ist aus verschiedenen Gründen problematisch. Nicht nur mindert er Kraft und Beweglichkeit. Da die Muskulatur eine wichtige Rolle für den Zuckerstoffwechsel spielt, kann ein Rückgang der Muskelmasse auch die Insulinempfindlichkeit verschlechtern. Das bedeutet, dass die Körperzellen schlechter auf das Hormon Insulin reagieren.
Insulin stellt normalerweise sicher, dass Zucker aus dem Blut in die Muskel-, Fett- und Leberzellen aufgenommen wird. Nimmt die Muskelmasse ab, steht weniger Gewebe zur Verfügung, das Zucker aufnehmen kann. Der Körper muss dann mehr Insulin ausschütten, um den Blutzuckerspiegel zu kontrollieren – langfristig kann das eine Insulinresistenz und damit Typ-2-Diabetes begünstigen.
Hinzu kommt, dass der Körper mit weniger Muskelmasse weniger Energie verbraucht. Das wiederum kann es erschweren, das reduzierte Gewicht dauerhaft zu halten.
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Antikörper wirkt Muskelabbau entgegen
In der aktuellen Studie gingen Forscher der Frage nach, ob sich der Muskelabbau während einer Behandlung mit der Abnehmspritze (Tirzepatid) mithilfe eines weiteren Medikaments begrenzen lässt. Konkret ging es um den Antikörper Apitegromab. Dieser hemmt das Eiweiß Myostatin, das den Muskelaufbau begrenzt, und soll dadurch Muskelverlust verhindern.
Die Forscher testeten den Wirkstoff in einer Untersuchung mit 102 Erwachsenen mit Übergewicht oder Adipositas. Die Teilnehmer waren im Durchschnitt 43 Jahre alt, mehr als 80 Prozent waren Frauen. Alle erhielten über 24 Wochen hinweg Tirzepatid. Zusätzlich bekam eine Gruppe den Antikörper Apitegromab, die andere ein Placebo.
Deutlich weniger Muskelverlust
Der Gewichtsverlust fiel in beiden Gruppen ähnlich aus: Die Teilnehmer verloren im Durchschnitt rund elf bis zwölf Kilogramm.
Große Unterschiede zeigten sich jedoch bei der Magermasse. Mit Apitegromab gingen durchschnittlich 1,6 Kilogramm verloren. In der Placebogruppe waren es 3,5 Kilogramm. Der Anteil der Magermasse am gesamten Gewichtsverlust sank dadurch von 30,2 auf 14,6 Prozent. Das heißt: Der Antikörper konnte den Verlust an fettfreier Körpermasse um knapp 55 Prozent reduzieren.
Mehr Muskeln – aber auch mehr Kraft?
Ob der Erhalt der Muskelmasse den Betroffenen tatsächlich gesundheitlich zugutekommt, bleibt allerdings unklar. Die Wissenschaftler prüften zusätzlich die Muskelkraft und die körperliche Leistungsfähigkeit der Teilnehmer. Dabei konnten sie bei den mit Apitegromab behandelten Teilnehmern keine Vorteile gegenüber der Vergleichsgruppe feststellen.
