Edin Hasanović
Berliner „Tatort“-Star kämpft seit 34 Jahren mit diesem Verlust
01.06.2026 – 05:56 UhrLesedauer: 2 Min.
Edin Hasanović war zwei Monate alt, als sein Vater im Bosnienkrieg verschwand. 34 Jahre später kämpft er noch immer – und hat eine Botschaft, die trifft.
34 Jahre ist es her, dass Edin Hasanović seinen Vater zum letzten Mal sah – da war er zwei Monate alt. Nun hat der Schauspieler auf Instagram einen langen, persönlichen Text veröffentlicht, in dem er an seinen im Bosnienkrieg ermordeten Vater erinnert. Unterlegt ist der Post mit einem alten Foto. Am Ende steht ein Appell, der weit über die eigene Geschichte hinausweist.
„Mein lieber Papa, mein Babo, heute vor 34 Jahren hast du den letzten Abend mit mir verbracht, wahrscheinlich mit der Gewissheit, dass es der letzte gemeinsame wird. Morgen schon wirst du mit nur 26 Jahren für immer aus meinem Leben verschwinden. 2 Monate lang durftest du mich nur kennenlernen. Sie werden dich mitnehmen, mit deinen Brüdern und anderen Männern auf LKWs zusammenpferchen und irgendwann irgendwie töten“, schreibt Hasanović. Seinen Worten zufolge wurden auch die sterblichen Überreste seines Vaters nie gefunden: „Sie werden dafür sorgen, dass man deine sterblichen Überreste auch nach langer Zeit nicht findet. Ich werde auch 34 Jahre später nicht wissen, ob ich das, was von dir übrig ist, je beerdigen werden kann.“
Ohne Vorbild zum Mann geworden
Was es bedeutet, ohne Vater aufzuwachsen, beschreibt Hasanović in seinem Post: „Ich bin ein Mann geworden, ohne jemals einen Mann in meinem Leben als Vorbild gehabt zu haben. Ich glaub, ich hab das ganz gut gemacht. Aber es war hart. Und bis heute muss ich damit klarkommen, dass du für immer nur eine Phantasie bleiben wirst.“
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Aufgegeben hat er dennoch nicht: „Ich gebe die Hoffnung aber nicht auf, dass ich eines Tages den Anruf bekomme, weil sie etwas, egal wie viel es ist, von dir gefunden haben, sodass du deine letzte Ruhe in Würde finden kannst.“
Blick auf Kinder weltweit
Aus seinem eigenen Erleben leitet Hasanović einen breiteren Gedanken ab – er schreibt über Kinder, die heute unter vergleichbaren Bedingungen aufwachsen: „Ich sehe aber auch zu viele Kinder, die unter ähnlichen zerbombten Umständen auf die Welt kommen und aufwachsen, ihre wichtigsten Bezugspersonen nie kennen lernen werden, so wie ich dich nie kennen lernen durfte. Und Kinder, die die Auswirkungen dieser grausamen Lücke ein Leben lang zu tragen haben. So, wie ich bis heute kämpfen muss. Tag täglich.“
Den Abschluss des Posts bildet ein direkter Appell an Väter: „Du bist ein Geschenk, was ich nie bekommen hab. Sei da, weil ich die Anwesenheit schmerzlich vermisse. Tu mit deinen Kindern das, was ich nie tun konnte. Gib ihnen eine Umarmung, die ich nie spüren werde. Sei stolz und froh Zeit mit deinem Kind zu verbringen, die ich bis heute nur in meinen Träumen habe. Sei dir meines Lebens und all der anderen Waisenkinder bewusst. Sei ein Vater, den ich mir immer gewünscht habe, mir der Hass anderer aber genommen hat. Du hast die Wahl. Mein Vater hatte sie nicht.“
