Nach der Kampfkandidatur von Marie-Agnes Strack-Zimmermann sind die Verhältnisse in der FDP jetzt klar: Die Liberalen sind eine gespaltene Partei. Kubickis Aufgabe als neuer Vorsitzender wird damit noch einmal größer.
Die gute Nachricht für die Liberalen schnell vorweg: Die FDP lebt noch. Und wie! Mit ihrer überraschenden Kampfkandidatur für den Bundesvorsitz hat Marie-Agnes Strack-Zimmermann am Samstag für viel Aufregung gesorgt. Die vom Kanzler totgesagte Partei hatte auf einmal doch eine Wahl – und nicht nur einen Kandidaten ohne Gegner zum Abnicken. Dieser elektrisierende Parteitag, so viel steht fest, wird noch lange in Erinnerung bleiben.
Das Ergebnis der Kampfabstimmung zwischen ihr und Wolfgang Kubicki aber verheißt für die Partei wenig Gutes. Nur knapp 60 Prozent stellten sich hinter Kubicki, fast 40 Prozent stimmten für Strack-Zimmermann, die eine streckenweise fulminante, teils aber auch strittige Rede gehalten hatte.
Damit ist in Zahlen belegt, wie groß die Lager innerhalb der FDP sind. Und wo der Bruch, ja der teils tiefe Graben innerhalb der Freidemokraten verläuft. Die FDP ist damit nun per amtlicher Vorsitzenden-Abstimmung eine gespaltene Partei.
Strack-Zimmermann hat der FDP geschadet
Endlich Klarheit, jetzt ist es raus, könnte man da sagen. Die realistischere Perspektive auf ihre Kandidatur jedoch ist wohl: Strack-Zimmermann hat ihrer Partei damit geschadet. Denn: Wie sollen diese zwei Pole jetzt wieder zueinander finden? Wie ein geeinter, ein geschlossener Kurs aussehen, eine gemeinsame Idee für die Zukunft des politischen Liberalismus in Deutschland?

Dass diese Pole vorhanden sind und wo der Riss verläuft, trat schon während der Aussprache vor der Vorsitzenden-Wahl am Samstag zutage. Grob gesagt sieht es bei den Liberalen heute so aus: Die einen wollen nicht nur um enttäuschte Merz-CDU-Wähler buhlen, sondern die FDP grundsätzlich rechts der Mitte positionieren und auch jene ansprechen, die schon einen Schritt weiter sind und heute AfD wählen. Das ist das Kubicki-Lager, in dem vor allem dessen künftiger Generalsekretär Martin Hagen den Ton angeben dürfte.
Das andere Lager, das von Strack-Zimmermann, will die FDP stärker in der politischen Mitte halten, anschlussfähig in alle Richtungen bleiben, ähnlich wie die niederländische Partei D66, die unlängst die Wahl gewonnen hat. Sie und ihre Leute lehnen jedes Werben um AfD-Anhänger ab – und damit verbunden auch und vor allem einen schrilleren, zugespitzten Krawall-Tonfall, den es für dieses Werben im rechten Parteispektrum eben braucht.
Kubicki muss die Partei wieder vereinen
Nach dem Parteitag scheint es nur schwer vorstellbar, wie ein Kompromiss in dieser Frage aussehen soll, der beide Lager befriedigt. Und dass ausgerechnet Wolfgang Kubicki diesen Kompromiss wird herbeiführen müssen, will er nicht einen großen Teil der Partei verlieren, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Ausgerechnet er, der Lautsprecher, der Polarisierer. Gut möglich, dass sich mancher noch sehnen wird nach einem Moderator, einem Typen, wie es Christian Dürr war, der gescheiterte Vorgänger Kubickis.
