Ab jetzt drohen tagelange Unwetter: Durch eine Besonderheit geraten Gewitterzellen in Rotation. Die Folge: Orkanböen, Hagelgeschosse und heftiger Starkregen.
Auf Deutschland kommen tagelange Unwetter zu. Das Frühsommer-Hitzehoch „Boris“ zieht ab, die Strömung dreht auf West bis Nordwest, Tiefs bringen feuchte, energiereiche Luft. Laut dem Diplom-Meteorologen Dominik Jung mischen sich schwülwarme Luft aus dem Raum über dem Südwesten und Frankreich mit feuchter Luft von Atlantik und Nordsee.
„Der eigentliche Zündfunke ist der Zusammenprall dieser beiden Luftmassen“, erklärt Jung auf Anfrage von t-online. Hinzu komme ein weiterer Faktor: Ein kräftiges Starkwindband in rund neun Kilometern Höhe erzeuge eine Windscherung – also unterschiedliche Windrichtungen und -geschwindigkeiten in unterschiedlichen Höhen. „Aus normalen Wärmegewittern werden so langlebige, rotierende Zellen“, warnt Jung. „Die erste markante Schwergewitter-Serie des Jahres kommt mit Wucht.“
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Demnach sind auch Superzellen nicht ausgeschlossen. „Das ist die organisierteste und gefährlichste Gewitterform“, erklärt der Experte. Superzellen können im Extremfall auch Tornados mit sich bringen.

Gewitter mit Regenmassen: Hier verläuft die kritische Achse
Am Freitagnachmittag geht es los: Der Deutsche Wetterdienst (DWD) erwartet kräftige Gewitter, „die sich am Abend voraussichtlich zu einer Linie organisieren“. Regional bestehe erhöhte Unwettergefahr durch schwere Sturmböen oder orkanartige Böen mit bis zu 110 km/h, heftigem Starkregen um 30 Liter pro Quadratmeter sowie großen Hagelkörnern. Betroffen ist ein Bereich, der laut Jung grob von Nordrhein-Westfalen über Niedersachsen bis Schleswig-Holstein reicht, mit Ausläufern in Richtung Hessen und den Norden von Rheinland-Pfalz.

Am Samstag zieht sich die kritische Achse laut Jung quer durch die Mitte – etwa zwischen Ruhrgebiet, Harz und Donau – und verlagert sich im Tagesverlauf nach Südosten. „Wichtig ist die ehrliche Einschränkung“, schreibt der Meteorologe: Bei dieser Art von Lage lasse sich erst kurz vorher punktgenau sagen, wo genau die stärksten Gewitter zu erwarten sind. Die Großwetterlage sei aber klar: Der Südwesten, explizit die Regionen um Oberrhein und Pfalz, blieben zunächst extrem heiß und trocken, würden aber am Samstagabend zunehmend in Gefahr geraten, „wenn von Frankreich her organisierte Zellen übergreifen“.
