Zoff um Stadtpläne
Wird die Mülheimer Brücke in Zukunft einspurig?
16.01.2026 – 07:46 UhrLesedauer: 3 Min.

Auf der Mülheimer Brücke könnten künftig zwei Autospuren zugunsten von Fahrradstreifen wegfallen. Im Stadtrat regt sich teils massive Kritik.
Die städtischen Pläne zur Zukunft der Mülheimer Brücke verursachen zum Jahresbeginn erste Verstimmungen in der Kölner Politik. Das Verkehrsdezernat hatte Anfang Januar überraschend angekündigt, die Verkehrsführung auf der vor Kurzem wieder freigegebenen Brücke zu überprüfen. Statt der bisherigen zwei könnte künftig nur noch eine Fahrspur für den Autoverkehr zur Verfügung stehen. Die andere soll in einen Fahrradstreifen umgewandelt werden.
Dafür möchte Verkehrsdezernent Ascan Egerer bis Mitte 2027 ein Gutachten erstellen lassen, das die Auswirkungen so einer Umstellung für den Kölner Verkehr überprüft. Bei den Fraktionen von CDU und FDP/KSG löst das Vorhaben wenig Begeisterung aus, auch die CDU-Kreisvorsitzende Serap Güler hat sich eingeschaltet. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick?
Die Sanierungsarbeiten auf der Mülheimer Brücke sind noch nicht abgeschlossen. Eine Umgestaltung der sogenannten Verkehrsfläche, also der zur Verfügung stehenden Fahrspuren, könnte noch während der Sanierung von der Bezirksregierung gefördert werden. Dafür braucht es allerdings ein Gutachten, das die Auswirkungen auf die Verkehrslage erläutert.
Die Stadt positioniert sich bereits vor dem Gutachten deutlich in Richtung einer Einspurigkeit. In einer Mitteilung heißt es unter anderem: „Weil immer mehr Menschen auf das Rad steigen, ist eine Änderung der Verkehrsführung zugunsten des Fuß- und Radverkehrs auch auf der Mülheimer Brücke erforderlich.“ Demnach ist es möglich, dass bis 2035 bis zu 20.000 Radfahrende täglich die Rheinbrücke passieren. Bisher sind es rund 6.000.
Konkret würde dann die jeweils rechte Fahrspur in einen Fahrradstreifen umgewandelt, sodass sich der Raum für Autofahrer reduziert. Um genau diese Folgen für die ohnehin angespannte Verkehrslage zu prüfen, soll das Gutachten, in Teilen mit einem externen Ingenieursbüro, erstellt werden. Es ist also nicht garantiert, dass eine Fahrspur pro Fahrtrichtung wegfällt?
Zum ersten Mal seit der Kommunalwahl im September liegen vor allem die großen Ratsfraktionen weit auseinander. Die Grünen befürworten die Einspurigkeit. Die Partei schreibt in einem Statement: „Wir finden: Das ist genau der richtige Schritt für eine zukunftsfähige Mobilität in Köln.“ Auch die Linke spricht sich für mehr Raum für Radfahrer aus.
Die CDU lehnt das Vorhaben dagegen klar ab. Stefan Götz, verkehrspolitischer Sprecher der Ratsfraktion, sagt: „Was hier vorgeschlagen wird, ist kein ausgewogener Beitrag zu moderner Mobilität, sondern ideologiegetriebene Verkehrspolitik, die künstliche Engstellen erzeugt. Für uns ist klar: Köln darf nicht im organisierten Stau stecken bleiben.“
Auch die CDU-Kreisvorsitzende Serap Güler bezieht klar Stellung: „Die Vorschläge des Verkehrsdezernenten sind ein Paradebeispiel für ideologiegetriebene Verkehrspolitik, die Realität und Alltag in Köln ignoriert.“
