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Deutschland

Interview mit der in Kirgisistan geborenen Fotografin Irina Unruh

wochentlich.deBy wochentlich.de15 Dezember 2025Keine Kommentare2 Mins Read
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Interview mit der in Kirgisistan geborenen Fotografin Irina Unruh
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Wann kam die Fotografie in Ihr Leben?
Zurück in Kirgisistan. Mein Vater und eine meiner Tanten haben viel fotografiert und unser Familienleben dokumentiert. Ich hatte immer das Gefühl, dass Fotografie etwas Magisches und Faszinierendes hat. Später, während meines Lehramtsstudiums in Bielefeld, begann ich, mich ernsthaft mit der Fotografie zu beschäftigen – zunächst allerdings eher als Hobby. Allerdings hatte ich meine Kamera immer dabei, auch als ich ein Jahr in Costa Rica und fünf Jahre in Rom lebte und arbeitete. Dort hatte ich auch meine erste Ausstellung. Mittlerweile lebe ich mit meinem Mann und meinen beiden Kindern im Münsterland, wo ich als Fotografin und Lehrerin arbeite – Fotografie ist und bleibt ein wichtiger Teil meines Lebens.

Sie sind um die ganze Welt gereist – und haben sich irgendwann entschieden, nach Kirgisistan zurückzukehren. Warum?
Nach 20 Jahren wurde mir plötzlich klar, dass ich zwar so viele Länder kannte, das Land meiner Geburt aber überhaupt nicht so gut kannte. Der Gedanke ging mir nicht aus dem Kopf. Also ging ich zurück. Und sofort spürte ich dieses Gefühl wieder: Die Farben, das Licht, die Gerüche, die Mentalität der Menschen – es war, als würde etwas in mir aufatmen. Obwohl die meisten meiner Verwandten nicht mehr dort leben, fühlte ich mich sofort tief mit dem Land und der Landschaft verbunden; Seitdem gehe ich immer wieder zurück.

Ihr Fotobuch „Wo die Pappeln wachsen“, das unter anderem mit dem Deutschen Fotobuchpreis in Silber ausgezeichnet wurde, erzählt die Geschichte dieser Rückkehr. Welche Bedeutung hat der Titel für Sie?
Als ich nach 20 Jahren zum ersten Mal wieder nach Kirgisistan reiste und auch das Dorf meiner Kindheit besuchte, fielen mir neben der atemberaubenden Bergkulisse vor allem die unzähligen Pappeln auf, die in ganz Eurasien weit verbreitet sind. Für mich persönlich sind sie ein Symbol meiner Kindheit. Sie säumen die Straßen in den Dörfern Kirgisistans, sie rascheln im Wind und sie kommen mir vor wie die Wächter einer Zeit, die niemals enden wird. In meinem Fotobuch geht es um die Geschichte meiner Familie, das Leben der deutschen Minderheit in zwei kleinen Dörfern dort und um Aufbrüche und Neuanfänge. Es ist kein Blick von außen, sondern ein Versuch zu verstehen, wie das Streben nach Religionsfreiheit, Flucht und Auswanderung über Generationen hinweg dazu führte, dass sich eine kleine Minderheit im heutigen Kirgisistan niederließ. Die Geschichte meiner Familie steht exemplarisch für unzählige ähnliche Familiengeschichten, die ich vor dem Hintergrund der damaligen weltpolitischen Lage zu erzählen versuche.

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