Bei mittelschweren Symptomen sind vor allem Psycho- und Verhaltenstherapien sinnvoll. Hierbei geht es darum, Stressreaktionen zu mindern, da diese oft die Tics auslösen oder verstärken. Eine Psychotherapie kann zudem bei begleitenden Problemen wie ADHS, Zwangsstörungen, Depressionen oder Angstzuständen helfen.
Bestenfalls lernen die Patienten mit einem sogenannten Habit Reversal Training (Deutsch: Gewohnheits-Umkehr-Training), besonders unangenehme Tics durch weniger belastende zu ersetzen. Auch Entspannungstraining kann helfen.
Bei schweren Tics, die auf andere Behandlungen nicht ansprechen, kann zudem eine Tiefenhirnstimulation hilfreich sein. Dabei werden Kerngebiete des Gehirns elektrisch stimuliert, die für die Koordination von Bewegungen zuständig sind. Nebenwirkungen der Behandlung sind oft nur temporär, können aber zu kurzzeitigen Sprach- und Gefühlsstörungen führen.
Allerdings wirkt auch die Hirnstimulation nur symptomatisch und kann die Erkrankung nicht heilen und auch einer Verschlimmerung nicht entgegenwirken.
Sind die Tics sehr ausgeprägt und der Betroffene leidet schwer darunter, kann eine medikamentöse Behandlung der richtige Weg sein. Dabei werden Medikamente wie beispielsweise Neuroleptika eingesetzt, die die Wirkung von Dopamin beeinflussen und so Tic-reduzierend wirken sollen. Auch Botox-Injektionen zur Entspannung betroffener Muskelpartien oder Antidepressiva können unter Umständen eingesetzt werden.
Kinder bemerken ihre Tics anfangs oftmals gar nicht selbst. Meist sind es die Eltern, die sich Sorgen um ihre Kinder und deren merkwürdiges Verhalten machen. Aber gerade wenn das Tourette-Syndrom in der Kindheit oder Jugend ausbricht, stehen die Chancen relativ gut, dass sich die Symptome bessern, wenn nicht sogar ganz verschwinden. Meist verstärken sich die Tics zwar während der Pubertät, lassen zwischen dem 16. und 26. Lebensjahr aber wieder nach.
Die geistige Leistungsfähigkeit von Tourette-Patienten ist nicht beeinträchtigt, jedoch führen die zahlreichen Tics fast unumgänglich zu Schwierigkeiten beim Lernen in der Schule oder im späteren Berufsleben.
Da das Umfeld der Betroffenen für gewöhnlich nicht über die Krankheit informiert ist, fallen die Reaktionen oft genervt, erschrocken, verständnislos oder empört aus – speziell dann, wenn ein Unwissender von einer Person mit Tourette-Syndrom beleidigt wird. Dadurch kann es schnell zu Ausgrenzungen und Zurückweisungen kommen.
Eltern betroffener Kinder und Teenager müssen sich bewusst sein, dass ihr Kind keine Kontrolle über seine Tics hat. Es ist zwecklos, das Kind zu ermahnen, wenn es wieder mal zuckt, bellt oder mit Schimpfwörtern um sich wirft. Stattdessen sollten Eltern dem Kind das Gefühl vermitteln, dass es mit seiner Störung geliebt wird.
