Deutsche Urlauber tot in Istanbul
Pestizid-Firma soll schon vorher kleinen Jungen vergiftet haben
23.11.2025 – 16:31 UhrLesedauer: 2 Min.
Der Druck auf die türkischen Behörden nimmt zu. Schon vor Monaten starb ein Kleinkind – nach einem Pestizideinsatz derselben Firma, die auch im Hotel der vierköpfigen Familie aus Hamburg am Werk war.
In der Türkei wird ein schwerwiegender Verdacht laut: Hat Nachlässigkeit von Behörden den Tod der vierköpfigen Familie B. aus Hamburg erst möglich gemacht?
Vater, Mutter und zwei Kinder starben Mitte November in einem Istanbuler Krankenhaus. Einem Gutachten zufolge deutet alles auf eine Pestizidvergiftung als Ursache hin: Eine Firma soll im Hotel der Familie das tödliche Insektizid Aluminiumphosphid ausgebracht haben, das eigentlich nur für den landwirtschaftlichen Gebrauch zugelassen ist.
Jetzt wird bekannt, dass dieselbe Firma offenbar auch schon den Tod eines Kleinkindes zu verantworten hatte. Karan Y. kam demnach im April ums Leben. Der dreijährige Junge erkrankte nach einer Schädlingsbekämpfung in dem Mehrfamilienhaus, in dem er mit seinen Eltern lebte. In der Nacht übergab er sich mehrfach, seine Eltern brachten ihn noch ins Krankenhaus, aber die Ärzte konnten ihm nicht helfen.
Der forensische Bericht zum Tod von Karan sei erst vergangene Woche in die Akte zu seinem Fall aufgenommen worden, zitiert nun die Tageszeitung „Hürriyet“ die Anwältin, die die Eltern des Jungen vertritt. Verfasst worden sei der Bericht aber schon lange vor dem Tod der Familie B., nämlich im September.
Die Anwältin schließt daraus: Hätten die Behörden schneller gearbeitet, hätten die Machenschaften der Schädlingsbekämpfungsfirma unterbunden werden können, bevor Familie B. starb. Möglicherweise gebe es auch noch weitere Opfer der Firma, sagte Anwältin Eylem Karaca.
Bereits zuvor hatte die Nachrichtenagentur Anadolu Ajansı berichtet, dass der inhaftierte Inhaber des Unternehmens im Verhör bei der Staatsanwaltschaft gesagt hatte, er habe die Firma vor sechs bis sieben Jahren gegründet. Zudem soll Zeki K. zugegeben haben, keine Berechtigung für Schädlingsbekämpfungsarbeiten zu haben. Soweit er wisse, habe auch sein Mitarbeiter Doğan C., der in seinem Auftrag im Hotel von Familie B. das Gift ausbrachte, nie ein Zertifikat dafür besessen, zitierte die Nachrichtenagentur den Firmenchef weiter. Kontrolliert wurde die Firma, die mit hochgiftigen Chemikalien operierte und dafür im Internet warb, jedoch offenbar nie.
