Kritiker zweifeln an Titel
Mailand ist Italiens Stadt mit der höchsten Lebensqualität
19.11.2025 – 13:41 UhrLesedauer: 2 Min.
In Mailand lässt es sich am besten leben, arbeiten und genießen, sagt eine neue Auswertung zur Lebensqualität in Italien. Kritiker finden das unrealistisch.
Immer wieder Mailand. Die Hauptstadt der Lombardei ist einmal mehr zur italienischen Stadt mit der höchsten Lebensqualität im Land gekürt worden. Der Titel, der vom Wirtschaftsmagazin „ItaliaOggi“ und der Unversität Sapienza in Rom vergeben wird, basiert auf der Auswertung von 97 Indikatoren aus den Bereichen Wirtschaft, Umwelt, Sicherheit, Einkommen, Bildung, Gesundheit und Kultur. Mailand erreichte den Angaben zufolge vor Bozen und Bologna die Höchstwertung von 1.000 Punkten.
Für Mailand und Bozen bedeutet dies eine Bestätigung ihrer Vorjahresergebnisse, während Bologna seine Position um einen Platz verbesserte. Am Ende der Rangliste stehen auch 2025 die sizilianische Stadt Caltanissetta, Crotone in Kalabrien und Reggio Calabria. Diese Orte „kämpfen mit tief verwurzelten strukturellen Problemen“, heißt es in der Auswertung.
Was auf dem Papier eindeutig aussieht, ist in der Realität nicht ganz so deutlich. Wie mehrere italienische Medien berichten, wird der Spitzenplatz Mailands diskutiert und von den eigenen Anwohnern zum Teil sogar angezweifelt. „Viele Einwohner erleben eine Stadt, deren Alltag nicht zu den glänzenden Zahlen passt“, schreibt beispielsweise das Lifestylemagazin „NSS“. „Die Mieten haben Rekordniveau erreicht, viele junge Menschen verlassen Mailand, weil ein durchschnittliches Gehalt kaum noch eine kleine Wohnung finanziert. Gleichzeitig wächst die Unsicherheit am Arbeitsmarkt.“ Die offizielle Erfolgsgeschichte der Stadt entferne sich zunehmend vom Leben ihrer Bevölkerung.
Auch die Olympischen Spiele 2026 verstärken diesen Trend. Vor allem im Süden Mailands habe eine großflächige Umgestaltung der Stadtlandschaft für die Winterspiele zu einer „rasanten Gentrifizierung“ geführt. Viertel wie Corvetto, die traditionell von Einwohnern mit niedrigerem Einkommen geprägt waren, hätten sich grundlegend verändert. „Für viele ist das Leben in dieser Gegend nun unbezahlbar“, so „NSS“. Mailand gerate so immer mehr unter zunehmende soziale Spannungen.
