Beim 1. FC Köln geschieht Erstaunliches. Überall werden die Geißböcke gelobt. Sogar beim DFB spielt der FC wieder eine Rolle. Das war nicht absehbar.
Die ersten zehn Bundesliga-Spieltage haben den 1. FC Köln verändert. Vor einem halben Jahr noch, Anfang Mai, wurden Trainer und Sportchef entlassen, weil der Aufstieg gefährdet war. Nun läuft es in Liga eins fast komplett rund, und Saïd El Mala überstrahlt diesen guten Saisonstart noch einmal.
Ein Blick in die Statistiken zeigt: Der 1. FC Köln gehört nach zehn Spieltagen völlig zu Recht in die obere Tabellenhälfte. Der FC hat die sechstmeisten Tore geschossen, die fünftmeisten Torschüsse abgefeuert, dabei die siebtbeste Abwehr aufgestellt, garniert mit der achtbesten Passquote und den drittmeisten gelaufenen Kilometern der Liga. Zudem gewann der FC in acht von zehn Spielen mehr Zweikämpfe als der jeweilige Gegner.
All dies sind die Zutaten für den frühen Erfolg in der Saison unter dem neuen Trainer Lukas Kwasniok. Ermöglicht durch eine hervorragende Transferperiode im Sommer, die jetzt auch Sportchef Thomas Kessler großes Lob einbrachte. Das Fachmagazin „Kicker“ ernannte Kessler mit dem FC zum besten Manager des Sommers. Davon waren die Geißböcke in den Vorjahren meilenweit entfernt.
Kessler und Kwasniok haben den FC wieder konkurrenzfähig gemacht. Daran ändert auch die bittere Derby-Niederlage in Mönchengladbach nichts. Auch nach dem Duell bei der Borussia sahen die Verantwortlichen in der Pleite etwas Positives: Der Erzrivale hatte dem FC trotz Heimvorteils den Ball überlassen, hatte großen Respekt vor den Geißböcken, signalisierte, dass die Kwasniok-Elf aktuell eigentlich die bessere Mannschaft ist. Auch das hat es seit Jahren nicht mehr gegeben.
Nun ist es in Köln traditionell gefährlich, allzu positiv zu denken. Der FC hat es schon häufiger geschafft, solche Trends umzukehren. Doch selten in den vergangenen Jahren wirkte der FC so stabil und zielgerichtet wie zuletzt. Die Fans können sich wieder mit der Mannschaft identifizieren. Die Spieler reißen ihre Anhänger wieder von den Sitzen. Und dann wäre da noch Saïd El Mala, dem nach seinem raketenhaften Aufstieg eigentlich schwindelig sein müsste.
Schwindelig wurde es aber bislang meist nur den Gegenspielern. Dass es das erste Mal seit Jonas Hector wieder einen FC-Profi bei der deutschen Nationalmannschaft gibt, elektrisiert in Köln die Massen. Da spielt es auch keine Rolle, dass der 19-Jährige bislang nicht eingesetzt wurde. El Mala ist derzeit eines der heißesten Eisen in Europa. Und auch das hat es beim FC seit vielen Jahren nicht mehr gegeben.
Die Chance für den FC ist daher groß, in den kommenden drei Spielen gegen Frankfurt, in Bremen und gegen St. Pauli die nächsten Punkte in der Bundesliga zu holen. Anschließend reisen die Geißböcke zum nächsten Derby nach Leverkusen. Dann wollen es die Kölner besser machen als in Gladbach. Bis Weihnachten winkt eine hervorragende Ausgangssituation für das neue Jahr – inklusive der Aussicht auf weitere Transfers für einen noch stärkeren Kader. Der FC im Herbst 2025 wirkt wie verwandelt. Vor allem, wenn man bedenkt, wo dieser Club herkommt.
