Mehrere Bundesländer drängen deshalb auf eine stärkere politische Unterstützung. In einem gemeinsamen Papier fordern Bremen, Niedersachsen, NRW, Saarland und Sachsen eine fristgerechte Fertigstellung des Wasserstoff-Kernnetzes und eine Verlängerung der Strompreiskompensation über 2030 hinaus. Nur so könne die Transformation zur klimaneutralen Produktion überhaupt gelingen.
Doch die Fortschritte sind bislang bescheiden. Arcelormittal hat sich aus seinen Umstellungsprojekten in Bremen und Eisenhüttenstadt zurückgezogen. Trotz 1,3 Milliarden Euro zugesagter Fördergelder erklärte der Konzern, die Umstellung sei „nicht wirtschaftlich“. Auch ein Pilotprojekt der Deutschen Bahn, das der Konzern vor dem Gipfel stolz verkündete, wirkt eher symbolisch. Die DB will 1.000 Tonnen grünen Stahl von Saarstahl beziehen – eine Menge, die für gerade einmal 22 Kilometer Schienen reicht. Über die Kosten schweigt der Konzern.
Dabei sind die Preisunterschiede erheblich: Nach Berechnungen des IW liegen die Produktionskosten für herkömmlichen Stahl derzeit bei etwa 550 Euro pro Tonne, für grünen Stahl könnten sie auf über 800 Euro steigen. Vor der Energiekrise 2019 lag der Preis pro Tonne noch bei rund 440 Euro – fast auf Augenhöhe mit den USA, wo er damals bei 430 Euro lag. Inzwischen sind deutsche Produzenten jedoch deutlich teurer, was ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit erheblich einschränkt.
Das liegt insbesondere an den hohen Stromkosten, die auch Olaf Scholz nach dem letzten Stahlgipfel senken wollte, damals jedoch keine Mehrheit mehr dafür fand. Diese bleiben im Stromimportland jedoch hoch. Jetzt hat Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) angekündigt, ab 2026 einen Industriestrompreis einzuführen, der wohl etwa fünf Cent pro Kilowattstunde betragen könnte. „Wenn sich die Industrie darauf planbar verlassen kann, wäre das ein wichtiger Schritt“, sagt Anke Rehlinger – fügt aber hinzu: „Noch liegt kein Konzept vor, und im Zweifel kommt es aufs Kleingedruckte an.“
Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer senkt die Erwartungen für eine langfristige Besserung durch die Subvention: „Der Industriestrompreis wirkt wie ein Schmerzmittel“, das kurzfristig helfe, jedoch nicht die Ursachen heilt.
Laut Berechnungen des IW würde ein Industriestrompreis von fünf Cent die Branche um rund 1,5 Milliarden Euro pro Jahr entlasten. Ob das für eine Trendwende reicht, ist fraglich. Nach Einschätzung des Instituts der deutschen Wirtschaft kann der Industriestrompreis lediglich eine kurzfristige Entlastung bewirken. Langfristig brauche es tiefgreifende Reformen – etwa bei der Energieversorgung, den Stromnetzen und der Wasserstoffinfrastruktur.
Die Probleme der Branche sind also strukturell. Daran kann auch der Stahlgipfel im Kanzleramt nichts ändern. Deshalb bleibt der krisenerprobten Branche wohl nichts anderes übrig, als das zu tun, was sie am besten kann: durchhalten bis zum nächsten Gipfel.
