Andacht in Berlin-Weißensee
Gedenken an Margot Friedländer: „Nicht nur erinnern, sondern handeln“
05.11.2025 – 15:40 UhrLesedauer: 2 Min.
Am Mittwoch wäre Margot Friedländer 104 Jahre alt geworden. Auf dem Jüdischen Friedhof gedachten verschiedene Prominente der Holocaust-Überlebenden.
Freunde und Weggefährten haben sich am Mittwochvormittag auf dem Jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee versammelt, um den 104. Geburtstag der im Mai verstorbenen Margot Friedländer zu begehen. Unter den Anwesenden waren der Sänger Max Raabe, Schauspielerin Iris Berben und die frühere Kulturstaatssekretärin Monika Grütters.
Ein Duo spielte mit Trompete und Akkordeon den Beatles-Song „Let it be“. Auf dem Grab der Holocaust-Überlebenden lagen Blumen und Gestecke mit der Aufschrift „Du lebst weiter“.
Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) würdigte Friedländer als „kleine, zierliche, leise Frau, die so groß und wichtig war“. Er erinnerte an ihr Engagement für Toleranz und gegen Antisemitismus. „Unsere Aufgabe ist, den Weg, den Margot Friedländer gegangen ist, weiterzugehen“, sagte Wegner. „Die Aufgaben sind groß in diesem Bereich. Das sehen wir jeden Tag.“
Wegner sprach auch über Pläne für einen Gedenkort. „Wir sind in Gesprächen, an welchem Ort wir das Gedenken an sie organisieren“, erklärte er und fügte hinzu: „Wir werden einen sehr guten Ort finden.“ Mit persönlichen Worten schloss er: „Danke, dass ich dich kennenlernen durfte. Wir werden dich niemals vergessen!“
Karsten Dreinhöfer, Vorstandsvorsitzender der Margot Friedländer Stiftung, erinnerte an Friedländers unermüdlichen Einsatz bei Schulbesuchen und öffentlichen Reden. „Du hast uns gebeten, deine Mission fortzuführen“, sagte er. „Wir stehen an einem Punkt, an dem wir nicht nur erinnern, sondern handeln müssen.“
Rabbiner Yehuda Teichtal forderte die Anwesenden auf, Friedländer ein besonderes Geburtstagsgeschenk zu machen: „Eine gute Tat zusätzlich heute“, sagte er. „Und mehr Liebe für die Gesellschaft.“
Margot Friedländer wurde 1921 als jüdische Deutsche in Berlin geboren. 1944 deportierten die Nazis sie ins Konzentrationslager Theresienstadt. Als einzige ihrer Familie überlebte sie den Holocaust. Nach der Befreiung 1945 ging sie mit ihrem Mann in die USA. Nach mehr als sechs Jahrzehnten in New York kehrte Friedländer mit 88 Jahren nach Berlin zurück. Im Mai starb sie im Alter von 103 Jahren.
