Gut für Gelenke und Muskeln?
Wie Barfußschuhe den Füßen helfen – und wann sie schaden
Ann-Kathrin Landzettel
Aktualisiert am 25.10.2025 – 07:41 UhrLesedauer: 4 Min.

Längst haben Barfußschuhe ihre „Sockenoptik“ verloren und werden immer schicker vom Design. Das Besondere an ihnen: Sie passen sich der natürlichen Form des Fußes an. Das hat Vor- und Nachteile.
Das Barfußlaufen stärkt die Muskeln und Bänder. In den eigenen vier Wänden ist das einfach umzusetzen, während man sich draußen verletzen kann oder die Füße schnell schmutzig werden. Barfußschuhe scheinen hier eine geeignete Alternative zu sein. Ein Sportexperte erklärt, wer von ihnen wirklich profitiert und wer besser auf festes Schuhwerk zurückgreifen sollte.
Optisch sehen Barfußschuhe mittlerweile fast aus wie „festes Schuhwerk“. Ihr Geheimnis liegt in der sehr dünnen, aber durchstichsicheren Sohle, welche den Fuß den Untergrund spüren lässt. Auch sind sie im Bereich des Vorfußes breiter, was den Zehen maximale Bewegungsfreiheit bietet. Das atmungsaktive Material des Schuhs ist leicht und schmiegt sich weich an die Füße. Kurz: Barfußschuhe sollen das Gefühl von Barfußgehen schenken – und die Füße dennoch vor spitzen Steinen, Scherben oder Dornen schützen.
„Unsere Füße sind ein echtes Meisterwerk. 19 Muskeln, 28 Knochen, 33 Gelenke sowie 107 Sehnen und Bänder sorgen dafür, dass wir laufen, stabil stehen und springen können“, sagt Ingo Froböse, Universitätsprofessor für Prävention und Rehabilitation im Sport an der Deutschen Sporthochschule Köln. „Leider tragen die meisten zu enges und festes Schuhwerk. Das führt dazu, dass die Fußmuskulatur zunehmend schwächer ist und Sehnen sowie Bänder instabiler werden. Der Fuß verlässt sich zum größten Teil auf die Stützfunktion des Schuhs. Das begünstigt unter anderem Fußfehlstellungen.“
Barfußlaufen ist die ursprünglichste Form unserer Fortbewegung. Barfußlaufen sowie das Tragen von Barfußschuhen sind gute Trainingsmöglichkeiten für Muskeln, Gelenke, Sehnen und Bänder der Füße. „Beim Barfußlaufen sind ganz andere Muskelpartien aktiv als in Schuhen. Hat der Fuß alle Freiheiten, steigt die motorische Qualität insgesamt“, erklärt Froböse. „Der Gang wird weicher und ist weniger stoßbelastet, da man auf den Mittel- und Vorfuß tritt und nicht über die Ferse abrollt.“
Außerdem nimmt man beim Barfußlaufen über die Füße viel mehr Informationen über die Beschaffenheit des Untergrunds wahr als in festen Schuhen. Dieses Plus an Impulsen führt in der Regel zu einem stabileren Gang und aktiviert eine aufgerichtete Körperhaltung. Auch der Gleichgewichtssinn wird geschult.
„Es gibt einige Studien, die zu dem Ergebnis kommen, dass Barfußlaufen gegenüber Laufen in Schuhen die natürlichere und fußschonendere Form ist“, sagt Froböse. „Barfußlaufen, ob komplett barfuß oder in Barfußschuhen, ist in der Regel kein Nachteil. Barfußlaufen unterstützt eine gut entwickelte Fußmuskulatur, die stabil ist und auch mal den einen oder anderen Fehltritt ohne Verletzungen übersteht.“
Ausnahmen, die gegen das Barfußlaufen sprechen, können Gelenkverletzungen, Gelenkverschleiß oder ausgeprägtere Fußfehlstellungen darstellen. Dann sollte man mit seinem Orthopäden oder Physiotherapeuten sprechen, ob Barfußlaufen geeignet ist. Auch bei Erkrankungen des Nervensystems oder einem Diabetes mellitus ist das Barfußlaufen aus ärztlicher Sicht meist nicht empfehlenswert.
