Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Wachtherapie:
Beim vollständigen Schlafentzug bleibt die erkrankte Person insgesamt rund 40 Stunden wach – also die ganze Nacht und den darauffolgenden Tag. In einer Klinik kann diese Methode zwei- bis dreimal pro Woche zum Einsatz kommen.
Der teilweise (partielle) Schlafentzug ist leichter durchzuhalten und weniger anstrengend. Er fußt darauf, dass vor allem das Wachbleiben in der zweiten Nachthälfte einen positiven Effekt hat. Allerdings ist diese Methode nicht so wirksam wie die vollständige Variante.
Die Patientin oder der Patient geht abends zunächst regulär schlafen, steht aber um etwa 1 Uhr nachts wieder auf und bleibt bis zum Ende des darauffolgenden Tages wach. Der teilweise Schlafentzug wird in der Regel ein- bis dreimal pro Woche durchgeführt.
An einen Schlafentzug kann sich die sogenannte Schlafphasenverschiebung anschließen. Ziel dieser Methode ist es, den gestörten Schlaf-Wach-Rhythmus schrittweise wieder zu stabilisieren.
Dabei wird die Schlafenszeit am Tag nach dem Schlafentzug zunächst nach vorn verschoben – zum Beispiel schläft der Patient von 17 Uhr bis Mitternacht. An den darauffolgenden Tagen wird die Schlafenszeit um je eine Stunde nach hinten verlagert (z. B. von 18 bis 1 Uhr, anschließend von 19 bis 2 Uhr, usw.). Nach einer Woche ist dann wieder der herkömmliche Schlafrhythmus erreicht.
Die Schlafphasenverschiebung kann den stimmungsaufhellenden Effekt verstärken; zudem hält dieser unter Umständen länger an. Diese Methode sollte nur unter Aufsicht erfolgen, am besten in einer Klinik.
Die antidepressive Wirkung eines Schlafentzugs hält nicht lange an: Sobald die Patientinnen und Patienten wieder geschlafen haben, kehren die depressiven Beschwerden meist zurück. Wie gut die Wachtherapie einen nachhaltigen Beitrag zur Behandlung leisten kann, ist unklar.
Auch wenn der stimmungsaufhellende Effekt nicht lang anhält, kann er sich doch positiv auswirken. Während einer Depression sind erkrankte Personen hoffnungslos. Sie können sich kaum vorstellen, dass sich ihr Zustand verbessert. Die Erfahrung, dass sich die Stimmung nach einer Wachtherapie aufhellt, kann daher ein Lichtblick sein. Darüber hinaus kann das lange Wachbleiben das Gefühl stärken, aktiv etwas gegen die Depression tun zu können – und somit die Selbstwirksamkeit stärken.
Bis ein Antidepressivum wirkt, vergehen meist mehrere Wochen. Um diese Zeit zu überbrücken, kann ein Schlafentzug als ergänzende Übergangsmaßnahme in Betracht gezogen werden.
Ein Schlafentzug kann auch unerwünschte Wirkungen haben. Nicht oder nur unter besonderer Aufsicht ist die Wachtherapie geeignet bei:
Auch bei akuten Suizidgedanken kommt ein Schlafentzug nicht infrage; denn durch das Wachbleiben ist oft der Antrieb gesteigert, was die Gefahr eines Suizids erhöht.
