Vermögensverteilung in Deutschland
„Das ist Gift für unsere Gesellschaft“
13.10.2025 – 16:11 UhrLesedauer: 3 Min.
Die Vermögensungleichheit in Deutschland bleibt gravierend. Zehn Prozent der Bevölkerung besitzen mehr als die Hälfte des Gesamtvermögens.
Es klingt nach einer gigantischen Zahl: Das Nettovermögen der privaten Haushalte in Deutschland beläuft sich Stand Ende 2023 auf 20,4 Billionen Euro. Das geht aus von der Bundesregierung veröffentlichten Daten zurück. Es handelt sich dabei um die Summe aller Sach-, Geld und Gebrauchsvermögen abzüglich Verbindlichkeiten im Eigentum von privaten Haushalten und Organisationen ohne Erwerbszweck. Theoretisch heißt das: Im Durchschnitt besitzt jeder Haushalt in Deutschland ungefähr 500.000 Euro. Doch diese Zahl täuscht. Denn praktisch ist das nicht so, weil das Vermögen in Deutschland sehr ungleich verteilt ist.
Die zehn vermögendsten Prozent der Haushalte besitzen demnach mehr als die Hälfte des gesamten Nettovermögens, heißt es im Entwurf des Armuts- und Reichtumsberichts. Dieser wurde heute in einem nicht öffentlichen Symposium zwischen der Bundesministerin für Arbeit und Soziales, Bärbel Bas (SPD), und Fachleuten in Berlin diskutiert. Der Bericht zeigt auch, dass die Haushalte in der unteren Hälfte der Verteilung nur etwa drei Prozent des Gesamtvermögens besäßen. Die Daten gehen auf Befragungen von Stichproben der Bevölkerung zurück.
Der Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung erscheint alle vier Jahre seit 2001. Der Bericht 2025 ist damit der siebte Bericht dieser Art. Erstellt wird er von einem wissenschaftlichen Gutachtergremium aus 16 Forschenden, die aus unterschiedlichen Instituten kommen. Im Dezember soll der End-Bericht dann von der Bundesregierung verabschiedet werden, der Entwurf wurde vergangene Woche veröffentlicht.
„Nach wie vor sind Immobilien- und Unternehmensbesitz stark mit hohen Vermögen korreliert“, heißt es in dem aktuellen Berichtsentwurf. So verfügten Haushalte von Selbstständigen mit durchschnittlich über eine Million Euro über die höchsten Vermögen. Etwa die Hälfte des Vermögens dieser Haushalte, die verstärkt im Süden Deutschlands zu finden seien, gehe direkt auf ihren Unternehmensbesitz zurück. Das Vermögen in Deutschland sei insgesamt sehr ungleich verteilt, allerdings habe sich die Ungleichheit leicht reduziert.
Der grüne Bundestagsabgeordnete Timon Dzienus nennt diese Ungleichverteilung „Gift für unsere Gesellschaft“. Die Ergebnisse des Armuts- und Reichtumsbericht seien „schockierend“, sagte Dzienus, der auch an dem Symposium teilnahm, zu t-online. „Es reicht nicht, Armut nur zu dokumentieren. Ich erwarte von der Bundesregierung entschlossene Maßnahmen gegen die sich verschärfende Ungleichheit umzusetzen.“
Seine Fraktionskollegin Karoline Otte kritisiert die Wissenslücke der Bundesregierung über die tatsächliche Ungleichverteilung. Sowohl in dem Berichts-Entwurf als auch in einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen, die Otte mitinitiiert hat, ist von fehlenden „Register- oder Verwaltungsdaten“ die Rede. Daher könnten Informationen über die Ungleichverteilung nur aus Befragungen von Stichproben der Bevölkerung gewonnen werden, so die Bundesregierung.
