Weniger klassische Reparaturen
E-Mobilität fordert Werkstätten heraus
11.10.2025 – 16:31 UhrLesedauer: 3 Min.
Die E-Mobilität wandelt das Werkstattgeschäft grundlegend, klassische Reparaturen entfallen zunehmend. In Norwegen bricht der Umsatz für Wartungen von E-Autos bereits ein.
Ölwechsel? Fehlanzeige. Kupplung? Gibt es nicht, ebenso wenig wie Zündkerzen. E-Autos bringen nicht nur neue Technologien und Ansätze auf die Straße, sie verändern auch das Werkstattgeschäft grundlegend. Was das konkret bedeutet, zeigt ein Blick in den Norden Europas.
In Norwegen, wo der E-Auto-Anteil bei Neuzulassungen inzwischen bei 94 Prozent liegt, ist die Veränderung in den Werkstätten längst spürbar. Wie die „Automobilwoche“ berichtet, liegen laut einer Analyse des VW-Importeurs Møller die Umsätze aus Wartung und Service bei batterieelektrischen Fahrzeugen (sogenannten BEVs) dort rund 46 Prozent unter dem Niveau von Verbrennern – zumindest bei Fahrzeugen, die bis vier Jahre alt sind. Auch in Dänemark nimmt der Anteil an E-Autos zu: Die BMW-Autohausgruppe Bayern AutoGroup meldete, dass sich der BEV-Anteil am Werkstattvolumen innerhalb eines Jahres von 10 auf 30 Prozent verdreifacht hat.
Dass die steigenden Zahlen an E-Autos in den Werkstätten zu großen Veränderungen führen würden, ist an sich nichts Neues: Schon 2022 hatte die Unternehmensberatung Roland Berger gemeinsam mit dem europäischen Zuliefererverband Clepa auf einen strukturellen Wandel hingewiesen. Die damalige Untersuchung zeigte: Der Umsatz mit klassischen Ersatzteilen könnte pro Fahrzeug um rund 30 Prozent sinken – vor allem, weil viele Komponenten wie Auspuffanlagen oder Mehrganggetriebe im E-Auto schlicht wegfallen. Je nach Szenario erwarten die Autoren einen Rückgang des Ersatzteilmarkts bis 2040 um bis zu 17 Prozent.
Grundsätzlich gilt: E-Autos müssen seltener zur Wartung. Sie kommen ohne Ölwechsel, ohne Zündkerzen, ohne komplexe Getriebetechnik aus. Die Bremsen halten durch Rekuperation länger. Laut ADAC können die Wartungskosten 20 bis 30 Prozent unter denen für einen vergleichbaren Verbrenner liegen. Ein Test von „Auto Bild“ zeigte sogar Unterschiede von bis zu 54 Prozent – zugunsten eines VW ID.3 im Vergleich zu einem Golf VII Diesel. Weniger mechanische Teile, desto weniger Aufwand, möchte man denken.
Aber es gibt auch eine andere Seite: Eine Studie des Marktforschers UScale aus dem Frühjahr 2024 ergab, dass Elektroautos häufiger wegen technischer Defekte in die Werkstatt müssen als Verbrenner. 24 Prozent der BEV-Fahrer gaben an, im Jahr 2023 außerplanmäßig einen Werkstattaufenthalt gehabt zu haben – gegenüber 9 Prozent bei Fahrern von Benzin- oder Dieselfahrzeugen. Besonders auffällig: Modelle von Opel, Audi und Skoda lagen deutlich über dem Durchschnitt, während Nissan und BMW mit geringeren Defektquoten auffielen. An dem Studienaufbau lässt sich jedoch kritisieren, dass deutlich weniger Besitzer von Verbrennern befragt wurden als E-Auto-Besitzer. Klar ist jedoch, dass immer mehr komplexe Technik in den Autos steckt.
