Der vierfache Weltmeister regt an: „Man sollte das verwendete Material insgesamt unter die Lupe nehmen, aber auch die Landung selbst.“ Gerade bei Schuhen und Bindungen sieht Schmitt Verbesserungspotenzial: „Die moderne Ausrüstung hat die Flugphase deutlich stabiler und sicherer gemacht, aber für die Landung ist das Material eigentlich nicht gemacht.“
Warum? „Die Schuhe sind schon sehr steif und werden zusätzlich mit Carbonschalen verstärkt“, so Schmitt, der inzwischen Experte bei Eurosport ist und regelmäßig live an der Schanze dabei ist. „Sie sind stark nach vorne geneigt, und dazu kommen Keile im Schuh, die vor paar Jahren aber schon reglementiert wurden.“ Diese seien früher zwar noch dicker gewesen, aber noch immer nicht ideal.
Schmitt betont: „Trotzdem ist die Fuß- und Beinstellung, mit der ein Sportler oder eine Sportlerin bei der Landung aufkommt, immer noch eine Risikosituation, insbesondere bei einer Telemarklandung.“
Vor der vergangenen Saison gab es eine neue Regel. Die Telemarklandung – bei der ein Knie beim Aufkommen der Ski in gebeugter Stellung nach innen knickt – bekam wieder mehr Gewicht. Sprungrichter dürfen seitdem drei statt zuvor zwei Punkte bei einer unsauberen Landung abziehen. Ex-DSV-Adler Markus Eisenbichler nannte die Änderung damals „bescheuert“. Auch Schmitt betont nun, dass der Telemark „ohne Not“ in der Bewertung aufgewertet worden sei.
Diese Aufwertung trägt dazu bei, dass die ungute Haltung, wie von Schmitt beschrieben, auch weiterhin auftreten wird. Das heißt: „Bei fast allen Springern, selbst bei sehr guten Landungen, knickt das Knie in gebeugter Stellung nach innen, um so den für den Telemark notwendigen Winkel überhaupt zu erreichen“, erklärt der einstige Publikumsliebling.
Dadurch erhöhe sich das Verletzungsrisiko laut Schmitt „deutlich“, wenn in „in dieser unnatürlichen Haltung außergewöhnliche Kräfte – beispielsweise durch einen weiten Sprung, eine hohe Flugkurve, eine Bodenwelle oder eine Verdrehung – wirken.“
Schmitt war jahrelang für Deutschland im Einsatz und weiß, was diese Kräfte mit dem Körper machen. Zudem kennt der 47-Jährige den Druck, im Wettkampf bestmöglich abliefern zu wollen – natürlich im Sinne der bestmöglichen Punkte, also im aktuellen Fall mit Telemark. „So wird der Sportler auch in einer Extremsituation wie bei sehr weiten Sprüngen eigentlich in dieses Risiko gezwungen. In meinen Augen sollten diese Aspekte in einer Sicherheitsdebatte auch berücksichtigt werden“, sagt Schmitt.
