Machtkampf bei Kleinpartei
Maaßen soll bei Werteunion nach Videodreh mit Neonazi gehen
Aktualisiert am 26.09.2025 – 14:20 UhrLesedauer: 5 Min.

Nach Videodrehs mit einem damaligen Neonazi gibt es gegen den Werteunion-Vorsitzenden Hans-Georg Maaßen Rücktrittsforderungen aus dem Parteivorstand. Dazu droht ihm auch im Werteunion-Förderverein die Entmachtung.
Es habe alles konspirativ laufen sollen, sagt Erik Ahrens. Der junge Mann, der den AfD-Politiker Maximilian Krah maßgeblich zum TikTok-Star machte, sollte auch Hans-Georg Maaßen mit viralen Videos unterstützen. Doch gesehen werden wollte der Vorsitzende der Partei „Werteunion“ und frühere Chef des Bundesamts für Verfassungsschutz offenbar nicht mit Ahrens. „Ich musste mit Sonnenbrille und Mütze zu den Treffen kommen, und vor oder nach ihm, damit man uns nicht miteinander sieht“, sagt Ahrens t-online. Nun wird genau diese Zusammenarbeit für Maaßen zum Problem.
Nachdem Maaßen als Vorsitzender der Werteunion bereits faktisch entmachtet wurde, fordern mehrere Vorstandsmitglieder nun, Maaßen solle den Vorsitz abgeben und zurücktreten. Die Videos seien der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht habe.
Öffentlich machte die Zusammenarbeit für die Videos Ahrens selbst. Der frühere Betreiber einer mit der rechtsextremen „Identitären Bewegung“ verbundenen „Gegen-Uni“ und ehemalige Vertraute von „Identitären“-Galionsfigur Martin Sellner bezeichnet sich inzwischen selbst als Aussteiger. Heute liefert er der Öffentlichkeit zum Teil brisante Details aus seiner Zeit in der Szene. Er plant aktuell ein Buch über seinen Ausstieg. Den zunächst geplanten Titel „Mein Kampf“ soll es nicht tragen, sondern nun „Insight Role – Einblick in die Neue Rechte“ heißen.
Ahrens hatte zunächst in einem Interview mit der Schweizer „Weltwoche“ eher beiläufig erwähnt, für Maaßen gearbeitet zu haben. In dieser Woche legte er nach und veröffentlichte ein Video, das die Zusammenarbeit eindeutig dokumentiert. Maaßen ist darin bei Aufnahmen zu sehen. „Maaßen wusste natürlich, wer ich bin und dass er ein sehr großes Problem hat, wenn wir zusammen gesehen werden. Ich habe ihn ja auch damals zur Rede gestellt, warum er so wenig macht gegen die Linken.“
Maaßen weist das auf Nachfrage von t-online zurück: „Mir war nicht bekannt, dass Herr Ahrens sich selbst damals als ‚Neonazi‘ verstand, wie man aufgrund seiner heutigen Äußerungen annehmen muss.“ Er halte die ihm jetzt bekannten Äußerungen für völlig inakzeptabel und sei darüber schockiert. Er habe wiederholt mit jungen Social-Media-Experten, Influencern und YouTubern gearbeitet, auch mit politisch linker Einstellung. „Ahrens war mir aufgrund seiner Erfolge bei der Herstellung und Verbreitung von TikTok-Videos als selbstständiger Produzent empfohlen worden.“
Wie der Kontakt zustande kam, erklärt Ahrens so: Mathilda Huss habe das vermittelt, die Hausherrin der Villa Adlon. Hier sollen auch zwei Videodrehs stattgefunden haben. Die Villa war im Januar 2024 durch „Correctiv“-Recherchen über ein „Geheimtreffen“ bekannt geworden: Reiche Unternehmer, Politiker von AfD und von Werteunion sowie rechte Aktivisten hatten dort unter anderem über einen „Masterplan für ‚Remigration'“ gesprochen. Der rechte Kampfbegriff „Remigration“ bezeichnet die massenhafte Vertreibung von Menschen mit Migrationshintergrund, in den Vorstellungen von Sellner schließt das auch solche mit deutscher Staatsangehörigkeit ein.
