PTBS, Depressionen, Angst
Psychisch krank nach Sepsis – was können Betroffene tun?
03.09.2025 – 17:39 UhrLesedauer: 2 Min.
Eine Sepsis hinterlässt oft auch seelische Spuren: Was kann helfen, wenn nach einer Blutvergiftung Depressionen, PTBS und/oder Angststörungen auftreten?
Wer eine Sepsis (umgangssprachlich Blutvergiftung) überlebt, hat meist noch lange mit belastenden Nachwirkungen zu kämpfen. Dazu gehören nicht nur körperliche Einschränkungen wie Muskelschwäche, Schmerzen und Schluckstörungen. Die lebensbedrohliche Erkrankung ist für viele Betroffene eine traumatische Erfahrung, die auch Geist und Seele belastet: Drei Jahre später haben noch
Nicht selten verstärken sich die Beschwerden gegenseitig. Beispielsweise können kognitive oder körperliche Einschränkungen dazu führen, dass Betroffene ihrem Beruf und ihren Hobbys nicht mehr nachgehen können. Und das kann großen seelischen Leidensdruck bedeuten.
Wenn eine Blutvergiftung psychische Erkrankungen wie posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS), Depressionen und Angststörungen nach sich zieht, ist das also keineswegs ungewöhnlich, im Gegenteil. Dennoch erhalten Betroffene häufig nicht die Unterstützung, die sie bräuchten.
Ein Grund dafür ist vermutlich, dass es hierzulande keine auf Sepsis spezialisierten Rehabilitationsangebote gibt. Sepsis-Überlebende begeben sich darum üblicherweise in neurologische, kardiologische oder orthopädische Reha-Einrichtungen – und die werden den psychischen Bedürfnissen der Erkrankten meist nicht gerecht.
In einer Befragung unter 287 Sepsis-Überlebenden und deren Angehörigen zeigte sich, dass die meisten mit der Nachsorge unzufrieden waren. Ein halbes Jahr nach der Erkrankung hatten zwar 85 von 100 Betroffenen eine Reha beantragt und 70 tatsächlich daran teilgenommen. Jedoch gaben nahezu alle Befragten an, dass sich das therapeutische Angebot in der Reha hauptsächlich um einige ihrer körperlichen Beeinträchtigungen drehte. Auf Sepsis-spezifische Beschwerden – insbesondere die psychischen – wurde indessen in der Regel nicht gezielt eingegangen.
Neben der Behandlung körperlicher Einschränkungen, zum Beispiel im Rahmen einer Reha, sollten auch gezielte therapeutische Maßnahmen für psychische oder kognitive Probleme Teil der Nachsorge sein. Wer seelische Beschwerden wie Depressionen oder Ängste bei sich bemerkt, sollte sich um professionelle Unterstützung bemühen. Das Gleiche gilt bei geistigen Beeinträchtigungen.
Eine erste Einschätzung kann die Hausärztin oder der Hausarzt geben – vorausgesetzt, sie oder er ist über die vielfältigen Auswirkungen einer Sepsis informiert. Wer sich in seiner Praxis nicht gut aufgehoben fühlt, sollte dies ernst nehmen und ein offenes Gespräch suchen oder gegebenenfalls die Praxis wechseln.
Kennt sich die Ärztin oder der Arzt ausreichend mit den möglichen Sepsisfolgen aus, kann sie oder er die nächsten Schritte begleiten. Üblicherweise erhält die betroffene Person eine Überweisung zu einer neurologischen oder neuropsychologischen Praxis beziehungsweise den Rat, sich an eine psychotherapeutische Praxis zu wenden. Dort finden dann die genaue Diagnostik und die Behandlung statt.
Abgesehen von einer ärztlichen und psychotherapeutischen Behandlung empfinden viele Sepsis-Überlebende aber noch etwas als hilfreich und tröstlich: den Kontakt mit anderen Betroffenen. Bei der Suche nach einer passenden Selbsthilfegruppe kann die Deutsche Sepsis-Hilfe e. V. unterstützen.
