Das SBGG will trans Personen zudem besser vor Diskriminierung schützen und verbietet deshalb, dass der frühere Geschlechtseintrag ohne Zustimmung der betroffenen Person genannt werden darf. Auf dieser Grundlage versucht Liebich nun, jeden zu verklagen, der in der Öffentlichkeit auf sein früheres Geschlecht hinweist. Medien schreiben und sprechen deswegen über Liebich tatsächlich reihenweise von der „Rechtsextremistin Marla-Svenja Liebich“.
In der rechten und rechtsextremen Szene wird das Selbstbestimmungsgesetz massiv angefeindet, ebenso wie trans Personen dort diskriminiert werden. Gespottet wird auch in der AfD, dass man in Deutschland nun ständig sein Geschlecht ändern könne. Gepocht wird darauf, dass das ideologischer Blödsinn sei und es nur zwei Geschlechter gebe. Auch in manchen feministischen Kreisen wird das Gesetz kritisiert. Hier wird unter anderem davor gewarnt, dass durch möglichen Missbrauch Schutzräume für Frauen verletzt werden könnten.
Der Fall Liebich ist für Kritiker nun die Bestätigung ihrer bisher selten wahr gewordenen Sorgen. So griff die Harry-Potter-Autorin Joanne K. Rowling, eine der international prominentesten Kritikerinnen von Gesetzen, die trans Personen das Leben erleichtern sollen, die Berichterstattung über Liebich in Großbritannien auf und twitterte: „Die BBC bezeichnet einen männlichen Neonazi als ’sie‘, weil ihre absolutistische Überzeugung von der Gender-Identitätsideologie bedeutet, dass jeder Mann – Vergewaltiger, Voyeur, Terrorist, Mörder oder Pädophiler – als Frau bezeichnet werden muss, sobald er sagt, dass er eine ist.“
In Deutschland hat Liebich derweil eine ernst zu nehmende politische Debatte losgetreten, die auch ein Problem für die rot-schwarze Regierungskoalition werden könnte. CDU und CSU nämlich lehnen das von der SPD mit eingeführte SBGG ab. Im Wahlkampf forderte die Union dessen Abschaffung.
Angesichts von Liebichs Fall sagte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) gerade erst: „Der Geschlechterwechsel scheint hier eindeutig ein Missbrauchstatbestand zu sein. Die Öffentlichkeit, die Politik, die Justiz soll hier an der Nase herumgeführt werden.“ Er könne sich nicht vorstellen, dass Politiker diesen Missbrauch gutheißen könnten, so Dobrindt weiter. „Wenn man das aber nicht will und sieht, dass es stattfindet, dann muss man darüber diskutieren: Wie kann man das unterbinden.“
