Unterschätzte Volkskrankheit
Indische Tradition soll bei Schlafapnoe helfen
16.08.2025 – 15:00 UhrLesedauer: 3 Min.

Nächtliche Atemaussetzer können das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen. Wie eine traditionelle indische Muschel dagegen helfen könnte, zeigt eine aktuelle Studie.
Nun haben Forscher aus Indien eine ungewöhnliche Methode untersucht, die bei der Behandlung leichter bis mittelschwerer Formen der Schlafapnoe helfen könnte. Die entscheidende Rolle spielt dabei das Blasen in eine Shankha, eine traditionelle indische Muschel. Die Studie wurde kürzlich in der Fachzeitschrift „ERJ Open Research“ veröffentlicht.
Nach aktuellen Studien leben in Deutschland über alle Altersgruppen gemittelt etwa 30 Prozent der Männer und 13 Prozent der Frauen mit einer obstruktiven Schlafapnoe (OSA). Unter älteren Männern (65 bis 70 Jahre) sind sogar bis zu 60 Prozent von einer obstruktiven Schlafapnoe betroffen. Damit ist die Atmungsstörung weit verbreitet.
Die Überdrucktherapie mittels einer sogenannten CPAP-Maske (Continuous Positive Airway Pressure) gilt als Standardtherapie der obstruktiven Schlafapnoe. Sie hält die Atemwege effektiv über einen leichten Überdruck offen und verhindert Atemaussetzer. Aber aufgrund ihrer Größe und den damit einhergehenden Einschränkungen beim Schlafen ist sie bei vielen Patienten nicht allzu beliebt. Es besteht also Bedarf an Alternativen. Hier setzt die Untersuchung aus Indien an.
In einer kleinen Studie untersuchten die Wissenschaftler die Vorteile des Muschelblasens bei 30 Erwachsenen mit moderater Schlafapnoe. Die Probanden wurden im Schlaflabor überwacht, um objektive Messdaten zu erheben, etwa zur Sauerstoffsättigung und zu Atemaussetzern.
Für die Studie erlernten 14 Erwachsene das Shankha-Blasen und praktizierten dies über sechs Monate hinweg regelmäßig zu Hause, täglich 15 Minuten an fünf Tagen pro Woche. Eine Vergleichsgruppe von 16 Teilnehmenden führte stattdessen nur tiefe Atemübungen durch.
Nach sechs Monaten zeigten sich deutliche Ergebnisse: Die Muschelbläser litten tagsüber seltener unter Müdigkeit, schliefen erholsamer und hatten im Schlaf deutlich weniger Atemaussetzer, im Schnitt etwa fünf weniger pro Stunde. Auch die nächtliche Sauerstoffsättigung im Blut war bei ihnen höher.
Studienautor Krishna Sharma erklärt die Wirkung in einer Pressenachricht der European Respiratory Society so: „Die Art und Weise, wie das Muschelhorn geblasen wird, ist recht charakteristisch. Dabei wird zunächst tief eingeatmet und anschließend kräftig und anhaltend durch fest zusammengepresste Lippen ausgeatmet. Diese Bewegung erzeugt starke Vibrationen und einen Luftstromwiderstand, wodurch wahrscheinlich die Muskeln der oberen Atemwege gestärkt werden, darunter auch die Kehle und der weiche Gaumen – Bereiche, die bei Menschen mit OSA während des Schlafs häufig kollabieren.“
