„Unmöglich, ihn nicht zu mögen“
Henker vom Theater Schichtl: Oktoberfest-Urgestein ist tot
Aktualisiert am 09.07.2025 – 07:42 UhrLesedauer: 2 Min.
Die Wiesn verliert eine Kultfigur. Vier Jahrzehnte hat „Ringo der Schreckliche“ beim Oktoberfest auf der Bühne gestanden. Jetzt ist er im Alter von 82 Jahren gestorben.
Vier Jahrzehnte hat er auf der Wiesn beim bekannten Oktoberfest-Theater Schichtl sein Werk verrichtet. Jetzt ist Hjalmar Ringo Praetorius, bekannt als „Ringo der Schreckliche“, verstorben. Dies bestätigte Manfred Schauer, Inhaber des Schichtl.
Praetorius, der das Publikum mit schwarzem Humor und der „Enthauptung“ von Freiwilligen aus dem Publikum unterhielt, war über Jahre Schauers engster Mitarbeiter. Der Theaterbesitzer würdigte seinen Kollegen mit den Worten: „Den Ringo zu mögen war nicht leicht, aber es war immer unmöglich, ihn nicht zu mögen.“
„Für den Schichtl lebt er weiter“, betonte Schauer. Schauer übernahm das 150 Jahre alte Theater 1985, Praetorius war von Beginn an dabei. Vor jeder Aufführung am Schichtl wird neu für das Spektakel einer „Enthauptung einer lebenden Person auf offener, hell erleuchteter Bühne mittels Guillotine“ geworben: „Auf geht’s beim Schichtl“ – den Spruch kennen auf der Wiesn viele.
Das Duo führte seit 1985 an jedem Wiesntag etwa 20 Vorstellungen auf und guillotinierte dabei je ein „Zufallsopfer“ aus dem Publikum. „Ringo der Schreckliche“ hat in seiner 40-jährigen Amtszeit so in etwa die Bevölkerung einer bayerischen Kleinstadt hingerichtet – natürlich aber nicht in Wirklichkeit.
Ringo war berühmt für seine humorvollen Sprüche und die Inszenierung der Enthauptungen. Er sagte oft: „Kopf hoch, stirbt sich leichter“ – und erklärte danach mit einem Augenzwinkern, was der „gefallene“ Delinquent zuletzt gegessen hatte. Schon während des Oktoberfests 2024 war Ringo gesundheitlich angeschlagen, berichtet Schauer. Der Henkersknecht Martin Kollmann hatte deshalb die Rolle des Henker übernommen. Ob er „Ringo den Schrecklichen“ auch dauerhaft beerben wird, ist nicht bekannt.
