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So emotional trauern die Hertha-Fans um ihren Präsidenten

wochentlich.deBy wochentlich.de16 Januar 2024Keine Kommentare4 Mins Read
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So emotional trauern die Hertha-Fans um ihren Präsidenten
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Der plötzliche Tod von Hertha-Präsident Kay Bernstein hat die Fans erschüttert. Viele sind am Dienstag spontan zur Geschäftsstelle des Zweitligisten gekommen. Wie nehmen sie Abschied?

Plötzlich gibt es für sie kein Halten mehr: Susanne Lehmann breitet die Arme aus und schließt ihren Sohn Lukas darin ein. Er, Hertha-Jogginghose um die Beine und blau-weißen Schal um den Hals, legt den Kopf auf die Schulter seiner Mutter. Sie vergräbt ihr Gesicht in seiner Brust. Eine Weile stehen sie so da, Mutter und Sohn, und weinen hemmungslos. Ihre Arme umklammern ihn fest. Als wolle sie ihn schützen. Aber auch, als halte sie sich an ihm fest.

Sie hat ihn von der Schule abgeholt und ist direkt zur Geschäftsstelle von Hertha BSC im Berliner Olympiapark gefahren. Hier wollen sie sich von Kay Bernstein verabschieden. Der Vereinspräsident ist am Dienstag völlig überraschend im Alter von 43 Jahren verstorben. Woran, ist unklar, mittlerweile ermittelt die Polizei. Mit ihm verliert der Verein nicht nur seinen Präsidenten: Bernstein stand früher selbst als Vorsänger in der Kurve des Olympiastadions. Die Fans verlieren auch einen der ihren. Wie nehmen sie Abschied?

Ein Mensch, der alten Männern Tränen in die Augen treibt

Dutzende sind an diesem Dienstagnachmittag zur Geschäftsstelle gekommen. Im Fanshop hat der Verein ein Foto Bernsteins aufgestellt, Menschen legen dort Blumen nieder und zünden Kerzen an. Die Schwarz-Weiß-Aufnahme zeigt Bernstein im Stadion mit geöffneter schwarzer Regenjacke. Darunter zeichnet sich das Revers seiner blau-weißen Trainingsjacke ab, die er oft bei öffentlichen Auftritten trug. Eben solch eine Jacke haben Mitarbeiter über den Bilderrahmen geworfen. Das aufgenähte Hertha-Emblem prangert neben Bernsteins Kopf.

Ein Mann tritt aus dem Fanshop hinaus in den Schnee. Er bleibt vor einer Eisbärenskulptur stehen und starrt sie an. Unter seinen Augen trocknen Tränen und lassen die faltige Haut glänzen. Seine Lippen zittern, er presst sie fest zusammen. Dann wendet er sich vom Eisbären ab. Er läuft kurz im Kreis. Bleibt stehen. Geht zurück in den Laden. Dann wieder raus in die Kälte. Als wisse er nicht, wohin mit ihm.

Im Shop trägt sich derweil ein anderer mit grauen Haaren und glasigen Augen in das Kondolenzbuch ein. Was war das für ein Mensch, dass er alten Männern Tränen in die Augen treibt?

Vom Ultra zum Präsidenten

Kay Bernstein wurde im Erzgebirge geborgen, doch aufgewachsen ist er in Berlin-Marzahn. Mit 14, so hat er es später erzählt, sah er sein erstes Hertha-Spiel im Olympiastadion. 1998 gründete er eine Ultragruppe. Jahrelang stand er als Vorsänger in der Fankurve des Olympiastadions. Bernstein war der „Capo“, der Chef der Kurve. Auf ihn hörte sie, ihm sang sie nach. „Er war einer von uns“, sagt Susanne Lehmann.

Später, als Bernstein Unternehmer war, tauschte er den Stehplatz in der Kurve gegen einen Sitz auf der Haupttribüne ein. Als die Mitgliederversammlung ihn 2022 unerwartet zum Klub-Präsidenten wählte, war aus dem Ultra endgültig ein Sportfunktionär geworden.

„Kay war wie ein Freund für uns“

Für die Fans vor der Geschäftsstelle aber ist Bernstein immer „der Kay“ geblieben. Viele hier haben ihre eigenen Erinnerungen an Bernstein. Sie kannten ihn. Nicht persönlich, sagt ein Mann. Aber er habe ihn öfter mal an der Geschäftsstelle gesehen. Wenn man ihn getroffen habe, im Stadion oder auf Aufwärtsfahrt, dann war er immer nett. „Kay war ja nicht nur unser Präsident“, sagt der Mann, dann kommen auch ihm die Tränen. „Kay war wie ein Freund für uns. Wir haben einen Großen verloren. An Kay kommt keiner ran.“

Gegen 16 Uhr fährt ein Wagen vor. Benjamin Weber steigt mit leerem Blick aus. Kay Bernstein hatte den früheren Leiter der Nachwuchsakademie zum Sportdirektor gemacht. Weber zieht sich die braune Kapuze seiner Jacke über den Kopf. So weit, dass man sein Gesicht von der Seite nicht mehr erkennen kann. Er läuft zum Haupteingang der Geschäftsstelle. Sprechen möchte er nicht.

Im Fanshop wird das Kondolenzbuch immer voller. „Danke für deinen Mut“, steht da und „Ruhe in Frieden. Danke für alles“. Auch Susanne und Luca Lehmann haben sich in das Buch eingetragen. „Lieber Kay“, schreiben sie. „Du warst ein Guter, einer von uns. Wir werden dich nie vergessen.“

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