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Trend für Menschen, Tod für Tiere: Das richten Qualzuchten an

wochentlich.deBy wochentlich.de7 Januar 2024Keine Kommentare3 Mins Read
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Trend für Menschen, Tod für Tiere: Das richten Qualzuchten an
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Schmerz, Leid und Schäden werden billigend in Kauf genommen, schlicht, weil die Hunde „in Mode“ sind. Das hat gravierende Folgen für die Tiere.

Die Appelle verhallen immer wieder aufs Neue: Seit vielen Jahren kommen vermehrt Hunde mit Qualzuchtmerkmalen ins Hamburger Tierheim, die Mitarbeiter werden wiederholt vor große Probleme gestellt. Was für die einen Schönheitsideal ist, endet für Tiere meist mit schweren Leiden oder führt zu ihrem Tod. Einrichtungsleiterin und Tierärztin Urte Inkmann klärt nun auf – und will wachrütteln.

Häufig würden die Hunde als kranke Fundtiere, aus illegalem Welpenhandel oder aus Sicherstellungen ins Heim gebracht. Dass sie zu diesem Zeitpunkt meist schon einen langen Leidensweg hinter sich hätten, sei vielen Besitzer überhaupt nicht bewusst. Für die Halter seien es eben die „süßen“ Tiere, die so „niedlich schnarchen“ würden, extrem groß oder klein sind oder andere Schönheitsideale erfüllen sollen.

Anschaffung passiert häufig „völlig unbedacht“

In der Regel sei bereits die Anschaffung der sogenannten Qualzuchten „völlig unbedacht“. Denn: Viele Besitzer würden nicht bedenken, dass allein die medizinische Behandlung von Rassen wie Mops, Bulldogge, Shar Pei, Chihuahua und Zwergspitz in der Regel „zeitaufwendig und kostenintensiv“ sei. Schnell stelle sich dann Überforderung ein und es „scheint der einfachste Weg zu sein, die Hunde einfach auszusetzen oder vor dem Tierheim anzubinden“, so Inkmann.

Ob bewusstes Ignorieren oder Unwissenheit – den allermeisten Besitzern sei nicht klar, dass es vielen der Qualzucht-Rassen „nur durch regelmäßige tiermedizinische Behandlungen und Operationen möglich ist, ein halbwegs lebenswertes Hundeleben zu führen“. Allein bei Hunden gebe es über 80 potenzielle Krankheitsdispositionen, die billigend in Kauf genommen werden, erklärt die Tierärztin.

Viele Tiere „ringen ihr Leben lang verzweifelt nach Luft“

Die Probleme würden bei Atembeschwerden beginnen, aber beispielsweise von Mops-Besitzern als „niedlich“ abgetan. Was ignoriert werde: Das Röcheln und Schnarchen kann gravierende Folgen haben. Weil die Tiere schon bei kleinsten Anstrengungen kaum Luft bekommen und ihre Körpertemperatur nur schwer regulieren können, erhöhe sich die Gefahr von Hitzschlägen enorm. Vielen sei gar nicht klar, „dass die betroffenen Hunde ihr ganzes Leben lang verzweifelt nach Luft ringen“.

Auch herausquellende Augäpfel, Exophthalmus genannt, können für die Tiere massive Folgen haben. Für ihre Halter erfüllten die Tiere ein „niedlichen Kindchenschema“ – runder Kopf, „lustige Glupschaugen“ – doch dass die Augäpfel im schlimmsten Fall einfach herausfallen können, wollen viele nicht wahrhaben, sagt Inkmann.

„Bifi“ fielen beide Augen heraus

Im Jahr 2021 machte der Fall von Hund „Bifi“ Schlagzeilen. Der Pekinese wurde in einem Park in Hamburg-Billstedt gefunden, da war er gerade mal wenige Wochen alt. Ihm fehlte ein Auge – es war einfach herausgefallen. Auch das zweite Auge fiel heraus, konnte aber durch eine Operation wieder im Kopf fixiert werden. Was für manche komisch klingen mag, sei bei dieser Rasse nicht ungewöhnlich. Durch eine herangezüchtete Deformation des Kopfes passiere so etwas regelmäßig, da würden bereits leichte Stöße oder ein unglücklicher Sturz ausreichen, erklärte eine Pflegerin damals der „Bild“.

Um dem gefährlichen Phänomen entgegenzuwirken, bedarf es weiter intensiver Aufklärungsarbeit, sagt Inkemann. Wer sich vor dem Kauf eines Hundes informieren möchte, könne dies unter anderem beim Qualzucht-Evidenz-Netzwerk (QUEN) tun. Dort würden Qualzuchtmerkmale für jeden verständlich aufgeführt. Zudem gebe bei der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz ein Merkblatt, das über Qualzucht und Erbkrankheiten aufkläre.

Grundsätzlich gelte jedoch: „Das zukünftige Familienmitglied sollte niemals rein nach der Optik, sondern vor allem nach den Eigenschaften und dem Gesundheitsstatus ausgewählt werden“, rät die Tierärztin. Es sollten keine Tiere mit Qualzuchtmerkmalen gekauft werden, denn nur so lasse sich verhindern, dass immer wieder nachgezüchtet werde. „In den Tierheimen warten genügend Freunde fürs Leben auf neue Familien.“

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